23.11.2020

Buchempfehlungen (2): "Die Angstprediger - Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern" von Dr. Liane Bednarz und "Afd, Pegida und Co. - Angriff auf die Religion?" von Stefan Orth und Volker Resing (Hg.)

Die Angstprediger - Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern" von Dr. Liane Bednarz





256 Seiten

Günstiger erhältlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung:



Beschreibung:

Religion und Politik: Welchen Einfluss haben rechte Christen in Deutschland? In ihrem politischen Debattenbuch beschreibt Liane Bednarz, wie Teile der evangelischen, evangelikalen und katholischen Christen seit Jahren rechtes Gedankengut annehmen und verbreiten. Diese Art von Fundamentalismus nutzt das bürgerliche Vertrauen in die christliche Religion und ihre Kirchen, um die bürgerliche Mitte mit rechten Ideen zu infiltrieren und einen Kreuzzug gegen Pluralismus und Toleranz zu führen. Rechte Christen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Sie sind in den Volkskirchen und in evangelikalen Gruppierungen zu Hause, sie haben ein klares Feindbild und meinen, damit das christliche Abendland zu schützen. Rechte Christen kämpfen gegen die angebliche Islamisierung, gegen Zuwanderung und Migration, gegen die Ehe für alle, Homosexualität, Gender Mainstreaming, Gleichberechtigung und Abtreibung, ein zeitgemäßes Familienbild und zu liberale Haltungen in den großen Kirchen. Die Verbindungen zur rechten populistischen Szene sind zum Teil fließend; die Angstprediger zeigen bisweilen offene Sympathie für Pegida, die AfD und die vom Verfassungsschutz beobachtete Identitäre Bewegung. In ihrem Debattenbuch deckt Liane Bednarz die Netzwerke der rechten Christen auf, beschreibt ihre Feindbilder, Überzeugungen und Aktionsformen und warnt vor den gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Instrumentalisierung von Religion.



Liane Bednarz (* 28. März 1974 in Wuppertal) ist eine deutsche Publizistin und Juristin. Bednarz studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten in Passau und Heidelberg sowie mit einem DAAD-Stipendium in Genf (Schweiz). 2005 wurde sie an der Universität Heidelberg mit der Dissertation Der Erwerb eigener Aktien nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG zur Dr. iur. promoviert. Sie war Promotionsstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung.


Meine Meinung:

Zunächst mal würde ich gerne einige Links teilen. Erst diesen hier, er führt zu einem Artikel, geschrieben von der Autorin. Gut für einen ersten Überblick über das Buch:


Und dann würde ich gerne noch einen Link teilen:


Ich möchte aus diesem Interview etwas zitieren. Denn natürlich haben wir Muslime auch konservative Ansichten über bestimmte Themen. Ab wann ist man also ein rechter Christ und wann nur konservativ? Zitiert vom Link:

"Rabhansl: Machen wir's mal an einem religiösen Beispiel vielleicht fest: Wenn konservative Christen gegen Abtreibung sind, sind sie noch nicht rechts. Wann ist diese Einstellung rechts?

Bednarz: Genau, also gegen Abtreibung zu sein, das gilt auch für viele andere Positionen, das ist jetzt nicht per se rechts, überhaupt nicht, das ist eigentlich ein kernchristliches Thema. Es kippt allerdings, wenn es dann vermengt wird mit demografischen Erwägungen. Das sehen Sie zum Beispiel bei der AfD, die spricht sich zwar insgesamt kritisch gegen Abtreibung aus, aber kritisiert Abtreibung in ihrem Grundsatzprogramm im Zusammenhang mit der Thematisierung einer sogenannten aktivierenden Bevölkerungspolitik zugunsten der einheimischen Bevölkerung. Mit anderen Worten, man moniert die Abtreibungszahlen deshalb, weil nicht genug deutsche Kinder geboren werden. Und diese Vermischung zwischen solchen Erwägungen und der Abtreibungsfrage sprengt das Konservative, weil ein konservativer Christ keinen Unterschied machen würde in dieser Frage, ob jetzt der Embryo, der abgetrieben wird, ein ausländisches Kind geworden wäre oder eben ein deutsches"


Die Unterscheidung, was "nur konservativ" und was "rechts" ist, wird wohl weiterhin nicht einfach sein. Aber dieses Zitat gibt einen guten Anhaltspunkt. Das wird im Buch noch mehr thematisiert.

Ich selbst habe bereits Bücher konservativer Christen über radikal linken Feminismus gelesen und ich habe deren Kritik zugestimmt. Dann blätterte ich ein paar Seiten weiter und - tadaa! - Islamhass eingestreut. Natürlich. Ich weiß auch, wieso: Wir Muslime werden als Kontrast benutzt, damit man selbst nicht so intolerant rüber kommt. Dass das unlogisch ist, darüber könnte man so viel schreiben. Aber das sprengt hier den Rahmen. Ach. Dieses liberal vs conservative. Dieses Schwarz-Weiße. Das ist so, so anstrengend.

Eins ist jedenfalls klar: Egal ob Muslim oder Christ: Die eigenen politischen Ansichten, egal in welcher Richtung, dürfen nicht in Menschenfeindlichkeit ausarten. Das ist die Botschaft dieses Buches hier. Ein weiteres Zitat aus dem Buch, was betont, dass es nicht darum geht, Konservatives grundsätzlich zu verdammen:

"In der Auseinandersetzung mit rechten Positionen sind die Kirchen und Gesellschaft gefordert, auch dezidiert konservative und streng fromme Positionen auszuhalten, was namentlich vielen im linksliberalen und linken Milieu schwerfällt. Umgekehrt gilt es aber, bei jedem Thema aufzuzeigen, wo die Grenze zu einem rechten Denken überschritten wird, das mit dem christlichen Menschenbild, wie es in den Evangelien vermittelt wird, nicht mehr kompatibel ist." - Seite 241

Ich erinnere mich daran, wie der frühere Schulfreund, den ich dann als antimuslimischen Rassisten entlarvte, einen Facebook-Artikel über das Thema Transfrauen in öffentlichen Frauen-Toiletten teilte. Er schrieb dazu irgendetwas von wegen, sollte er das jemals erleben, würde er die "Tranny" zusammenschlagen. So, da hätten wir ein passendes Beispiel dafür, was nicht konservativ ist.

Nun ein anderes Zitat aus dem Buch:

Auf Seite 130 steht: "Die Islamaversion bzw. der Kampf vieler strenggläubiger Christen gegen eine angebliche »Islamisierung« steht der offiziellen Haltung der Kirchen diametral entgegen." Es werden Beispiele genannt für offizielle Positionen der katholischen und evangelischen Kirche gegenüber dem Islam, wobei klar wird, dass es nicht darum geht, den eigenen Absolutheitsanspruch loszuwerden, sondern Respekt zu zeigen.

Ich selbst habe nur gute Erfahrungen gemacht mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche, genau genommen Pfarrern und Kirchenvorständen. Ich bin mir sicher: Ich bin für den Rest meines Lebens extrem gerührt angesichts der Nächstenliebe, die ich da erlebt habe. Doch bereits vor diesen positiven Erfahrungen war mir klar, dass die Kirchen an sich oft gegen Rassismus und Muslimhass kämpften, sehr zum Ärger der Islamhasser. Beispiele gibt es viele. Wer erinnert sich nicht daran, als der Dom in Köln die Lichter ausgeschaltet bekam, als es zu einer Pegida-Demo kam? https://www.migazin.de/2015/01/05/koelner-dom-lichter-islamfeindliche_koegida-pegida-demo

Zurück zum Buch. Ich kann wie immer nicht alles anschneiden, was im Buch thematisiert wird. Es werden zum Beispiel die Mythen über eine angebliche "Islamisierung" angesprochen, zum Beispiel die vielen Lügen. Das Thema Wintermärkte statt Weihnachtsmärkte... klick mich

Man erfährt, weshalb Rechtspopulismus für manche Christen attraktiv ist und was man dagegen machen kann.

Dieser Link hier wurde eingefügt und das Thema besprochen:


Ein sehr interessantes Buch für einen guten Einblick in das Thema.




Afd, Pegida und Co. - Angriff auf die Religion?" von Stefan Orth und Volker Resing (Hg.) 


208 Seiten



Ist bei der Seite Scribd zu lesen, wo man soweit ich weiß, einen Gratis-Probemonat bekommt. (Keine Kooperation)

Beschreibung auf https://www.herder.de/theologie-pastoral-shop/afd%2C-pegida-und-co.-gebundene-ausgabe/c-37/p-7686/ (Leseprobe dort):

Christliche Antworten auf den Angriff von Rechtspopulisten

Rechtspopulisten sind in Europa und inzwischen auch in Deutschland massiv auf dem Vormarsch. Sie bedienen sich Ressentiments und vor allem der Ängste der Menschen, um gegen Randgruppen und auch demokratische Strukturen zu hetzen. Dabei verwenden sie auch religiöse Bezüge, die sie pervertieren. Hochkarätige Autoren beleuchten Hintergründe und Entstehungsgeschichte und blicken weiter: Was müssen die Kirchen und religiösen Gemeinschaften tun, um sich nicht zu distanzieren, sondern klar Stellung zu nehmen? Und wie kann man gemeinsam den Vormarsch stoppen? Hier finden profunde Kenner deutliche Worte und bieten konstruktive Vorschläge. Konkret, entschieden und mutig. Ein Buch aus der Reihe Edition Herder Korrespondenz.

"Zu den zentralen Themen von AfD, Pegida und anderen gehört die Religion. Einerseits bezieht man sich auf das »christliche Abendland« und fürchtet sich vor »dem Islam«, den man undifferenziert wahrnimmt. Andererseits stören sich die Wortführer am Engagement der Kirchen für die Flüchtlinge im Land, die in größerer Zahl gekommen sind. In vielfältiger Weise geht es da um Religions- und Kirchenkritik. Angriff auf die Religion also? Und was ist ihm entgegenzusetzen?" (aus dem Vorwort) 

Mit Beiträgen von Christian Hermes, Joachim Klose, Hans Joachim Meyer, Werner J. Patzelt, Andreas Püttmann, Karlheinz Ruhstorfer, Thomas Sternberg, Sonja Angelika Strube, Rainer Maria Woelki, Paul Michael Zulehne (Anmerkung von mir: Einfach mal googlen!)


Die Herausgeber:

Stefan Orth, Dr., geb. 1968, ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz. Monatsheft für Gesellschaft und Religion. Er hat in Freiburg, Paris und Münster katholische Theologie studiert, im Fach Fundamentaltheologie promoviert und ist seit 1998 Redakteur der Herder Korrespondenz in Freiburg.

Volker Resing, geb. 1970, ist Journalist und Buchautor. Seit Oktober 2014 ist er Chefredakteur der "Herder Korrespondenz". Zuvor war Resing Redakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Seit 2002 war er als Hauptstadt-Korrespondenz in Berlin für verschiedene Tageszeitungen sowie katholische Kirchenzeitungen tätig.


Meine Meinung:

Wieder zunächst mal ein paar gute Links zu Artikeln über das Buch:

https://www.deutschlandfunk.de/kirchen-und-rechtspopulismus-die-afd-verstreut-ein-suesses.886.de.html?dram:article_id=376500

https://www.islamiq.de/2017/02/03/afd-pegida-und-co-angriff-auf-die-religion/

https://www.jesus.de/stefan-orth-volker-resing-hg-afd-pegida-und-co-angriff-auf-die-religion/

https://www.euangel.de/ausgabe-3-2017/rezensionen/afd-pegida-und-co-angriff-auf-die-religion/

Durch diese besseren Rezensionen bekommt ihr einen guten Überblick.

Auch das ist ein Buch, das radikalchristliche Islamhasser am liebsten an die Wand werfen würden. Aber sie sollten sich anschauen, wer die Artikel geschrieben hat. Soweit ich weiß, sind 5 davon Theologen.

Für mich war das Lesen des Buches ein echter Genuss.

Zitate:

Seite 43: "Noch deutlicher sticht die Wählerschaft der Afd von der aller anderen parlamentarischen Parteien ab; von CDU/CSU-Wählern übrigens keineswegs weniger als von SPD-Wählern - ein erster Hinweis darauf, dass wir es mitnichten bloß mit einer konservativen CDU oder der »CDU der Fünfzigerjahre« zu tun haben."

Seite 46: "Die Annahme, eine 10- bis 15-prozentige Daueropposition könne in demokratischen Systemen kaum etwas bewirken, ist auch deshalb falsch, weil Anhänger hoch motivierter, fanatisierter Minderheiten im Vergleich zur kognitiv moderaten, aber meist auch habituell »lauen' Mehrheit ein Vielfaches an Zeit, Geld und »Herzblut« zu investieren bereit sind."

Seite 52: "Die angloamerikanische Politikwissenschaft unterscheidet drei Dimensionen von Politik: politics, policy und polity. Sie stehen, kurz gesagt, für den Prozess, die Inhalte und die Form des Politischen. Solange die polity-Dimension, die System- und Regelakzeptanz von der AfD nicht klar und durchgehend im Sinne unseres demokratisch-rechtsstaatlichen Grundkonsenses beantwortet ist, können ihre teilweise auch für Christen verlockenden policy-Angebote - etwa zum Schutz vorgeburtlichen Lebens oder zum Leitbild der traditionellen Familie - schwerlich als Wahlargumente für sie geltend gemacht werden. Und ohne eine Fundamentalkonversion der AfD zur Menschenwürde als Dreh- und Angelpunkt der Verfassungsordnung wird man in jeder vordergründig richtigen policy immer einen Pferdefuß finden: »Lebensschützer« bringen plötzlich den Schießbefehl an der Grenze ins Gespräch oder sehen in Abtreibungen vor allem ein Demografie-Problem; Law-and-order-Vertreter lassen ihre Klientel leichtfertig mit dem Widerstandsrecht hantieren."

Seiten 86 und 87: "Kein Zweifel kann daran bestehen, dass die Kirche selbstverständlich mit aller Vehemenz die Unterdrückung und Verfolgung von Christen kritisieren und ihnen so gut als möglich Hilfe zuteilwerden lassen muss. Es ist aber eine abwegige Argumentation, Kritik an den Positionen der AfD dadurch zu kontern, die Kirche solle sich doch zuerst um die verfolgten Christen in den islamisch dominierten Ländern kümmern. Als ob sie dies nicht täte. Ebenso abwegig ist der Versuch, aus der Diskriminierung des Christentums in diesen Ländern ein moralisches Recht zur Diskriminierung von Muslimen hierzulande abzuleiten. [...] Ebenso ist die Unterstellung zurückzuweisen, die Kritik an einer pauschalen Diffamierung von Menschen und ihrer Religion rechtfertige oder verharmlose fundamentalistische oder radikal-islamistische Umtriebe hierzulande."

Klickt hier für den offenen Brief des Stadtdekans Christian Hermes: https://www.facebook.com/stadtdekanchristianhermes/posts/1282851538410753



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18.11.2020

Buchempfehlung: "Islam am Scheideweg" von Muhammad Asad (auf Englisch gratis online zu lesen)


Bild ist von cordoba-buch.de - Ehm, ich dachte, ich erwähne mal diesen Shop, bevor jemand auf die Idee kommt, das Buch für 47 Euro gebraucht zu kaufen... (Das ist das erste Angebot, was man findet, wenn man nach dem Titel googlet.)


Gratis auf Englisch hier zu lesen: http://muhammad-asad.com/Islam-at-Crossroads.pdf


125 Seiten


Beschreibung von "Edition Bukhara":

Wer nicht nach passenden Antworten gegen den Islam sucht, sondern nach Wahrheit, Aufrichtigkeit und Prinzipientreue - wer in aufrichtiger Weise nach seiner Identität sucht und wissen möchte, welchen Grund das Dilemma des heutigen Muslims hat und gewillt ist, etwas in sich zu bewegen, der sollte wissen, dass Muhammad Asad dieses Buch für ihn geschrieben hat, um ihn auf der Suche nach der verlorenen muslimischen Identität durch die Wiedererlangung des Quran und der Sunna zu unterstützen.

"und es ist nicht für diejenigen geschrieben, für die der Islam nur eines von mehreren, mehr oder weniger nützlichen, Schmuckstücken des sozialen Lebens ist; vielmehr für jene, in deren Herzen immer noch ein Funke der Flamme lebt, die bei den Gefährten des Propheten brannte - die Flamme, die einst den Islam als soziale Ordnung und kulturelle Errungenschaft groß machte." - Muhammad Asad


Muhammad Asad:

"Muhammad Asad (arabisch محمد أسد) (* als Leopold Weiss am 2. Juli 1900 in Lemberg, Österreich-Ungarn; † 20. Februar 1992 in Mijas, Spanien) war islamischer Gelehrter, Diplomat und Korrespondent der Frankfurter Zeitung." - https://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Asad


Meine Meinung:

Muhammad Asad interessiert mich schon länger. Ich werde irgendwann mal sein umfangreicheres Werk "Der Weg nach Mekka" lesen, (wie dieses hier auf Englisch gratis online zu lesen). Ich denke, das könnte mir sogar noch mehr gefallen als dieses hier, da "Islam am Scheideweg" relativ kurz ist. Es ist nichts, was man unbedingt gelesen haben MUSS, aber schon interessant. Besonders krass ist, dass das Buch aus dem Jahr 1934 stammt. Merkt man nichts von - faszinierend.

Die Kernaussage von  "Islam am Scheideweg" lautet - so wie ich sie verstanden habe: Die Muslime sind ökonomisch und wissenschaftlich in einer unterlegenen Situation dem Westen gegenüber, weil sie sich vom Islam entwurzelt haben - denn dieser hat schon immer die Wissenschaft und den Intellekt in seinen Lehren gefördert. Außerdem betrachte der Islam das diesseitige Leben nicht als ausschließlich schreckliche Sache, die man leider durchstehen muss bis man dann endlich im Jenseits ist. (Auch betrachte der Islam den Menschen nicht als natürlich sündig und deshalb schlecht.) Und diese Einstellung ist eigentlich sehr förderlich für die Wissenschaft, denn dann möchte man auch das Diesseits verbessern, z. B. mit Erfindungen.

Statt in dieser Position zu verharren, indem man neidisch auf den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt des Westens blickt, sollte man selbst mehr daran arbeiten, dass sich die islamische Welt in dieser Hinsicht weiterentwickelt. Doch das könne nicht geschehen, indem man einfach die westliche Bildung kritiklos kopiert, weil man somit auch die säkulare Philosophie "mitkaufen" würde mitsamt der negativen Eigenschaften, die sie mitbringen kann. Muslime sollten außerdem auf keinen Fall Minderwertigkeitsgefühle entwickeln.


Ein tolles Zitat:

"Der Islam ist aber keine Religion der Unterdrückung. Er gibt dem Menschen in seiner persönlichen und sozialen Existenz einen großen Freiraum, damit die verschiedenen Eigenschaften, Temperamente und Neigungen der unterschiedlichen Individuen ihren eigenen Weg hin zu einer positiven Entwicklung finden können. Daher kann der Mensch ein Asket sein oder er kann sich innerhalb des rechtmäßigen Rahmens auch voll und ganz seiner sinnlichen Möglichkeiten erfreuen; er kann ein Nomade sein, der durch die Wüste umherwandert, ohne Nahrung für den nächsten Tag; oder aber ein reicher Kaufmann inmitten seiner Waren. So lange er sich aufrichtig und bewusst den göttlichen Gesetzen unterwirft, ist er frei, sein persönliches Leben so zu entwerfen, wie seine Natur ihn lenkt. Seine Pflicht ist es: das Beste aus sich zu machen, das Leben, ein Geschenk seines Schöpfers, zu ehren und durch die eigene Entwicklung seine Mitmenschen in ihren geistigen, sozialen und materiellen Bemühungen zu helfen. Aber die Form seines Lebens ist in keinem Fall durch einen Maßstab festgelegt. Er ist frei, zwischen all den grenzenlosen rechtmäßigen Möglichkeiten auszuwählen. Die Grundlage dieses islamischen „Liberalismus“ findet sich in dem Gedanken, dass die menschliche Natur im Wesentlichen gut ist. Ganz gegensätzlich der christlichen Gedanke, dass der Mensch sündevoll geboren ist; oder die Lehren des Hinduismus, in denen der Mensch ursprünglich gering und unrein ist und schmerzvoll durch eine lange Kette von Seelenwanderungen zum endgültigen Ziel der Vollkommenheit taumeln muss. Dagegen vertritt die islamische Lehre, dass der Mensch rein geboren und in dem oben beschriebenen Sinn potenziell vollkommen ist." - Seite 34


Klickt auch hier:




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Buchempfehlung: "Die große Heuchelei: Wie Politik und Medien unsere Werte verraten" von Dr. Jürgen Todenhöfer





352 Seiten


Beschreibung:


"Seit unserer Rückkehr aus dem »Islamischen Staat« wussten wir: Wir müssen nach Mossul zurück."

Die Stadt war von der US-geführten »Antiterror-Allianz« in Grund und Boden gebombt worden, »befreit« worden. Doch zehn Monate später lagen in den Trümmern noch immer tote Kinder. Die »Befreier« hat das nicht interessiert. Weil es nie um Befreiung ging. Jürgen Todenhöfers neues Buch ist eine schonungslose Reportage über das wahre Gesicht unserer Zivilisation. Die Außenpolitik des Westens beruht auf einer zentralen Lüge: Seine oft terroristischen Militärinterventionen dienen nie der Freiheit und Demokratie, sondern stets ökonomischen und geostrategischen Interessen. Unter Lebensgefahr recherchierte Todenhöfer dies zusammen mit seinem Sohn Frederic in den gefährlichsten Krisengebieten der Welt. Sein Fazit: Der Westen muss die Menschenrechte vorleben, statt sie nur vorzuheucheln. Er wird sonst alle Katastrophen der Vergangenheit erneut erleben. Ein großes Plädoyer für Humanismus – das wichtigste Buch von Bestsellerautor Jürgen Todenhöfer.



Das Inhaltsverzeichnis - Screenshots der empfehlenswerten Amazon-Leseprobe - https://www.amazon.de/Die-gro%C3%9Fe-Heuchelei-Politik-verraten/dp/3549100035/ (es ist mir einfach wichtig, die Zwischen-Überschriften zu teilen, sodass sich einem der Inhalt des Buches erschließt):








Meine Meinung:

Top-Empfehlung!

Jürgen Todenhöfer ist wegen seines Engagements gegen Islamhass bei Muslimen sehr beliebt.

Er hatte allerdings vor einiger Zeit bei einigen Misstrauen erweckt, was z. B. seine Haltung zum Syrien-Krieg betrifft. Auch für mich war oft nicht klar, was genau ich nun denken soll. Da will ich aber ein Zitat aus diesem Buch sprechen lassen: „Der Hinweis auf Rebellen und andere Staaten, die angeblich das gleiche oder noch Schlimmeres tun, entschuldigt keines der Kriegsverbrechen der Regierung. Die Bilder der toten Kinder in den von ihr zurückeroberten Gebieten machen mich fassungslos. Ich gestehe, ich habe Assad diese Gnadenlosigkeit nicht zugetraut.“ - Seite 204 - Es sieht also nicht danach aus, als wäre Jürgen Todenhöfer ein Assad-Fan. Nichtsdestotrotz sehe ich seine Ansichten zu Syrien, Iran und Russland sehr kritisch. Aber vielleicht interpretiere ich auch vieles falsch. Dass Jürgen sich nämlich mit Leuten an einen Tisch setzt und mit ihnen redet, bedeutet nicht, dass er diese Leute "mag" - immerhin war er ja auch bei dem Möchtegern-Islamischen Staat und hat deren Unmenschlichkeit ausführlich in seinem Buch "Inside IS" dokumentiert (weshalb ich es nicht verstehe, warum man ihm vorwirft, er würde islamistischen Terror verharmlosen - wenn jemand davon Bescheid weiß, dann ja wohl er!).

Wie auch immer, Jürgen Todenhöfers Biographie ringt mir extrem viel Respekt ab, und ich bin ihm sehr dankbar für sein Engagement für eine bessere Welt. Seine Leidenschaft, für die Opfer der sinnlosen Kriege dieser Welt einzustehen, ist absolut authentisch. Und warum? Ganz klar, weil er immer persönlich vor Ort ist. Das ist auch das Besondere an Jürgen Todenhöfer. So berichtet er beispielsweise, wie er von den Massakern an Rohingya-Muslimen hörte und sich kurzerhand ins Flugzeug setzt, um nach Myanmar hinzufliegen. (https://en.wikipedia.org/wiki/Rohingya_genocide)

Krieg wird von Menschen hinter Schreibtischen beschlossen. Es ist Jürgen Todenhöfers Ziel, ihnen vor Augen zu führen, was Krieg wirklich bedeutet. Er vermutet, dass es daran liegen könnte, dass er die Zerstörung seiner Heimatstadt im Zweiten Weltkrieg live miterlebte. Seit seinem 18. Lebensjahr reist er durch die Welt, vor allem durch Krisengebiete. Mittlerweise ist er 80 Jahre. Seine Reisepässe dürften so manche Stempel haben.

Was vielen, auch mir, am meisten an seinen Berichten gefällt ist Jürgens kritische Haltung zur westlichen Kriegspolitik. Aber ein Anti-Amerikaner ist er deshalb sicher nicht! „Die USA sind ein tolles Land. Die Direktheit und Spontanität seiner Menschen haben mir immer gefallen. Auch die Fairness, mit der alle meine Gesprächspartner mit meiner Kritik umgingen. Viele teilten meine kritische Meinung zur Außenpolitik der USA. Manche meiner deutschen Kritiker nennen mich ‚Anti – Amerikaner‘. Meine amerikanischen Freunde und Bekannte lachen darüber. Ich auch. Ich kritisiere ja auch die deutsche Außenpolitik und bin kein Anti – Deutscher.“ (Seite 140)


Über Terrorismus, der nicht von Muslimen begangen wurde:

Er erwähnt, dass nicht nur George W. Bush seine Kriege als Gottesdienst verkaufte, so wie es jeder weiß, sondern auch der deutsche Divisionspfarrer Adolf Schettler, welcher im Jahr 1915 sagte: „Der Soldat soll tot schießen, soll dem Feind das Bajonett in die Rippen bohren, soll die sausende Klinge auf den Gegner schmettern. Das ist seine heilige Pflicht, ja, das ist sein Gottesdienst.“ [Schettler, Adolf: In Gottes Namen durch! Für die deutschen Streiter in Heer und Flotte. Leipzig 1915, S. 18]

Doch auch Winston Churchill schwärmte von „fröhlichen kleinen Kriegen gegen barbarische Völker“ (Rede von ihm am 14. Dezember 1929), als er im Mittleren Osten gegen Araber kämpfte. Er schrieb dazu übrigens auch in „My Early Life. A Roving Comission“: „Wir gingen systematisch vor, von Dorf zu Dort. Wir zerstörten die Häuser, schütteten die Brunnen zu, fällten die schattigen Bäume, verbrannten die Getreidefelder und brachen die Getreidespeicher auf.“


Er zitiert den Heiligen der katholischen Kirche, Bernhard von Clairvaux https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_von_Clairvaux: Der Soldat Christi, sage ich, tötet unbekümmert, noch sicherer stirbt er. Wenn er stirbt und wenn er tötet, unterstellt er sich Christus. Denn nicht ohne Grund trägt er das Schwert: Er steht im Dienst Gottes, um den zu bestrafen, der Böses tut. [...] Durch den Tod der Heiden wird der Christ verherrlicht. [...] Die sind keine Mörder, die gegen die Feinde der Kirche kämpfen."“ - https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2017/04/islam-mittelalter-bedrohung-feindbild

„Bartholomäus de las Casas war Augenzeuge der von den spanischen Eroberern angewendeten Methoden. Er schilderte, wie sie Indianern die Hände abhackten, wenn diese bei der Goldsuchererfolglos blieben. Wie sie Gefangenen zum Spaß den Kopf abschlugen. Er schrieb: ‚Unser Werk war es, Verzweiflung zu bringen und zu verwüsten, zu töten, zu zerfleischen und zu zerstören (...). Der Admiral war (...) so ängstlich darauf bedacht, dem König zu gefallen, dass er nicht wiedergutzumachende Verbrechen gegen die Indianer beging. (...) [Sie] ritten auf dem Rücken von Indianern, wenn sie in Eile waren (...). [...].“ (http://ciudadseva.com/texto/brevisima-relacion-de-la-destruccion-de-las-indias/?fbclid=IwAR2X3pGZz792oqN37TLAagH9KXIPdxQKB-eTI7viqW7HqlhShKSOuKWvp5c)
(Seiten 51-52)

Jürgen erwähnt, wie der belgische König Leopold II im Kongo selbst siebenjährige Kinder bis zur Bewusstlosigkeit auspeitschen ließ, denn sie hatten das Verbrechen begangen, in Gegenwart eines Weißen laut zu lachen - bestätigt wurde dies vom belgischen Richter Stanislas Lefranc. Jürgen hat selbstverständlich ein großes Quellenregister für all seine Behauptungen.

Er erwähnt, dass er selbst zur Zeit der Sowjetunion mit dem Oberbefehlshaber der sowjetischen Truppen, Generalfeldmarschall Sergei Achromejew, befreundet war und mit ihm über den sinnlosen Krieg seines Landes in Afghanistan sprach. Auch diesen Krieg hatte Jürgen in tagelangen Fußmärschen mit Blutblasen an den Füßen recherchiert.

„Der Brite James Puckle erfand im 18. Jahrhundert ein ‚Maschinengewehr‘, das man zweifach nutzen konnte. Mit runden Kugeln gegen Christen. Mit quadratischer Munition gegen ‚Heiden‘. Die quadratische Munition fühlte schreckliche Verletzungen zu. Sie war vor allem für muslimische Türken gedacht.“ (Seiten 73-74) - https://en.m.wikipedia.org/wiki/Puckle_gun



„Auch der palästinensische Widerstand bediente sich oft terroristischer Methoden. Bis heute. Einer der bekanntesten palästinensischen Terroristenführer, George Habasch, war marxistischer Leninist, aufgewachsen als griechisch – orthodoxer Christ.“ (Seite 135)


Er berichtet, wie er einmal in Gaza auf einen Trümmerhaufen stieg, auf dem besonders viel Spielzeug lag. Sein Sohn fotografierte die Szene. Daraufhin wurde ihm von seinen unzähligen Hassern vorgeworfen, er hätte das Spielzeug selbst zu den Ruinen transportiert. Dazu kann er nur sagen, dass so etwas nur Leute sagen können, die noch nie in einem Kriegsgebiet waren. “Oder die nicht wollen, dass die Wahrheit über ihre Kriege bekannt wurde.” (Seite 80)


Er erwähnt, dass die Bibel brutaler ist als der Koran: "Der deutsche Althistoriker Alexander Demandt kommentiert die Bibelmassaker mit den Worten: ‚Kriegsgräuel kennen wir natürlich auch von Griechen, Römern und Germanen; aber als Gott wohlgefällig betrachtet sie nur das Alte Testament.‘“ (S. 118-119)

Er zitiert dann brutale Stellen aus dem Alten Testament und sagt: "Das bei Pseudo – Christen beliebte Argument, das Alte Testament habe für Christen keine Gültigkeit mehr, ist unzutreffend. Das Alte Testament gilt für Christen uneingeschränkt weiter. In allen Kirchen wird regelmäßig aus ihm gepredigt. Für Jesus war das Alte Testament das einzige Buch Gottes, an das er glaubte." (Seite 119)

Er zitiert dann aber Stellen aus dem Neuen Testament: Matthäus 10:34: "Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Und dann Lukas 19:27 "Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde - bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!"

Für ihn kann Terror, der von Christen begangen wird, selbstverständlich nicht mit dem Christentum gerechtfertigt werden, genauso wenig wie islamistischer Terror mit dem Islam. Er zeigt diese Verse nur auf, um aufzuzeigen, wie einfach es ist, Dinge aus einem Buch - hier, der Bibel - zu sammeln und dann zu behaupten, die ganze Religion sei boshaft, so wie es Islamhasser mit Koranversen tun.


Religionshasser kann er auch nicht verstehen: "Es gibt Stimmen, die den Monotheismus generell die Hauptschuld am Elend unserer Welt geben. Sie vergessen oder verdrängen, was in Zeiten der Herrschaft atheistischer Ideologien geschah: Sowjetkommunisten und Nationalsozialisten ermordeten jeweils über zwanzig Millionen Menschen, chinesische Kommunisten über vierzig Millionen." (Seite 120) In den Fußnoten ist dieser Link: https://www.necrometrics.com



Über den Irakkrieg:


Der völkerrechtswidrige Krieg im Irak 2003 hat über eine Million Menschen getötet und vier Millionen zu Flüchtlingen gemacht. Mittlerweile ist bekannt, dass es nie Massenvernichtungswaffen gab. Die Folge des Krieges: Terroristen schossen "wie Pilze aus dem Boden" (Seite 161). Jürgen Todenhöfer ist es wichtig, über speziell diesen Krieg zu berichten, damit niemand das Ausmaß der Unmenschlichkeit vergisst: "Ein US Offizier war ehrlicher. Er sagte: 'Es [war], wie Robbenbabys totschlagen'" (Seite 31).

„In Bagram bei Kabul ließen GIs gefangene Taliban-Kämpfer von Hunden ‚vergewaltigen‘. Nachdem man sie nackt, mit dem Bauch nach unten, auf einen Hocker gefesselt hatte. In Kandahar erstach und verbrannte ein GI sechzehn Zivilisten, darunter drei Frauen und neun Kinder. [https://www.theguardian.com/world/2012/mar/11/us-soldier-kills-afghan-civilians]. Amerikanische Kill-Teams töteten Afghanen zum Zeitvertreib und schnitten ihnen Finger als Trophäen ab. [https://www.rollingstone.com/politics/politics-news/the-kill-team-how-u-s-soldiers-in-afghanistan-murdered-innocent-civilians-169793]. Wieder andere GIs urinierten auf gefallene Taliban. Manche dieser Täter wurden verurteilt. Doch die öffentliche Empörung hielt sich in Grenzen. Was wäre geschehen, wenn Afghanen diese Taten an amerikanischen Bürgern, Frauen und Kindern begangen hätten? Oder an Deutschen? Hunderttausende Unschuldige wurden im Irak im Namen unserer ‚Werte‘ getötet. Zehntausende in Afghanistan.“ (Seiten 32-33)

„Laut dem früheren Präsidenten Bill Clinton sind die USA jederzeit zum ‚unilateralen Einsatz militärischer Gewalt’ ermächtigt, um sich den ‚ungehinderten Zugang zu Schlüsselmärkten, Energiequellen und strategischen Ressourcen zu sichern“. Selbst Jimmy Carter sah das so.“ (Seite 35)


Er berichtet über die Brutkastenlüge: https://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenlüge


„Laut New York Times wurden Hunderte irakische Soldaten von den US-Soldaten bei lebendigem Leib mit Bulldozern im Wüstensand begraben“ (Seiten 38-39).

„2004 fand im irakischen Falludscha eine der brutalsten Vernichtungsschlachten seit dem Vietnamkrieg da. Alle Regeln des Völkerrechts schienen aufgehoben. Die USA setzten weißen Phosphor ein. Um die Moral der Menschen zu brechen, wurde die Stadt tagelang mit dröhnender Rockmusik beschallt. Und dann von enthemmten Marines fast völlig zerstört. Unzählige Menschen wurden getötet. [...] Ich habe Falludscha danach mehrfach besucht. Und auf den Friedhöfen der Stadt viele Stunden mit trauernden Irakern verbracht.“ (Seite 76)


Wie soll man denn dann Terrorismus bekämpfen?

Laut Jürgen Todenhöfer auf Seite 295 z. B. mit Unterwanderung, Geld, Spezialkommandos und auch mit der Unterstützung der arabischen Sunniten im Irak, die seit 2003 massiv benachteiligt werden.


Natürlich gibt es keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme. Eins ist aber klar: Bombardements bringen nichts, nur Unheil! Er fragt zurecht: "Würde der Westen, wenn es in den bayerischen Alpen ausländische Terroristen gäbe, München bombardieren lassen? Würden wir in Deutschland jemals Bomben und Raketen einsetzen, um ausländische Terroristen zu bekämpfen?" (S. 156)


Er erinnert daran, dass die Bomben, die auf afghanische Städte fielen, Osama bin Laden nichts antaten, der gemütlich auf einem Esel nach Pakistan ritt. Nur Zivilisten starben. "Erst in Pakistan konnte er ausgeschaltet werden. Zehn Jahre später. Nicht durch ein Städtebombardement, sondern durch ein Spezialkommando der Navy SEALs. Die riskierten nicht vorrangig das Leben von Zivilisten, sondern ihr eigenes. Das ist ihr Job." (S. 156)



Über den Islam:

Er zitiert aus Gustave Le Bons Werk „La civilisation des Arabes“: „Wenn man die wissenschaftlichen Arbeiten der Araber und ihre Entdeckungen studiert, sieht man, dass kein Volk derart Großes in derart kurzer Zeit produziert hat.“ (Le Bon 2009, S. 12)


Er berichtet, dass die islamischen Eroberer in der Vergangenheit tolerant gegenüber den Besiegten war. Niemand wurde da gezwungen, den Islam anzunehmen. In der Geschichte des Christentums fände man aber sehr wohl Zwangsbekehrungen, Ermordungen, Versklavungen und Vertreibungen.


"Als der arabische Feldherr und spätere Kalif Umar Jerusalem eroberte, tat er den Christen nichts an. Sie durften selbstverständlich ihren Glauben behalten. Als einige Jahrhunderte später christliche Kreuzfahrer die Heilige Stadt erobern, massakrierten sie gnadenlos Muslime und verbrannten Juden. Kreuzzüge begann damit, dass in Europa erst einmal die Synagogen brannten: in Mainz, Köln, Neuss, Xanten, Regensburg und Prag. Die muslimischen Eroberer profitierten bei vielen Eroberungen oft davon, dass ihre christlichen Gegner heillos zerstritten waren und die unterworfenen Völker tyrannisiert hatten. Die Bevölkerung empfing daher die neuen Herren, die ihren Glauben und ihre Sitten respektierten, häufig mit großer Erleichterung. Für die Sicherheit und den Frieden, die ihnen die neuen Machthaber garantierten, mussten sie eine Wehrersatzsteuer, die Dschizya, zahlen. Doch die war in der Regel niedriger als die Steuern, die ihnen vorher abgepresst worden waren. Und sie durfte die Zakat, die Armensteuer, die Muslime zu zahlen hatten, nicht übersteigen." (Seiten 101-102)


Er erwähnt, dass der erste Kalif der Muslime, Abu Bakr, seiner Armee unter der Führung von Usama Ibn Zaid befahl: "Befolgt diese zehn Ratschläge: Begeht keinen Verrat! Betreibt keine Ausbeutung! Seid nicht arglistig! Verstümmelt niemanden! Tötet keine Kinder, keine alten Menschen und keine Frauen! Vernichtet und verbrennt keine Dattelpalmen! Fällt keine nutzbringenden Bäume! Schlachtet kein Schaf, keine Kuh, kein Kamel, es sei denn zur Nahrung! Ihr werdet Menschen antreffen, die der Welt entsagt haben und in Zurückgezogenheit leben; laßt sie in ihrer Andacht in Frieden! Ihr werdet Menschen begegnen, die euch verschiedene Speisen anbieten. Wenn ihr etwas davon eßt, so sollt ihr dabei Allahs Namen aussprechen." - Link: https://en.wikipedia.org/wiki/Expedition_of_Usama_bin_Zayd

Über den jämmerlichen Versuch islamistischer Terroristen, ihren Terror islamisch zu legitimieren: "Nach der Überlieferung wurden Mohammed und seine Truppen in der Schlacht von Hunain im Jahr 630 aus einer Festung heraus mit Pfeilen angegriffen. Sie schossen mit einem Katapult zurück. Der IS argumentiert, der Prophet habe nicht gewusst, ob hinter der Festungsmauer möglicherweise ein Zivilist stehe. Daher sei das Töten von Zivilisten im Krieg erlaubt. Eine abenteuerliche Argumentation! Wie kann man aus der Beschießung einer Festung das Recht ableiten, in unseren Zeiten auf Weihnachtsmärkten bewusst Unschuldige zu ermorden? Gegenüber der Zivilbevölkerung des Westens argumentiert der IS: ‚Ihr lebt in einer Demokratie, ihr habt die Leute gewählt, die gegen uns Krieg führen. Damit seid ihr für diese Kriege mit verantwortlich. Deshalb dürfen wir euch töten.‘ Diese realitätsferne Argumentation überzeichnet die Möglichkeiten der Zivilbevölkerung in ‚repräsentativen Demokratien‘ wie in anderen Staatsformen, Kriege zu verhindern. [Anmerkung von mir: Pierre Vogel sagt das selbe; auch er hat erklärt, dass Terroristen diese dumme Logik anwenden.] Der Prophet hätte nie so argumentiert. Kaum jemand hat sich konsequenter für den Schutz Unbeteiligter im Krieg eingesetzt als er. Er befahl seinen Truppen vor jeder Schlacht: ‚Ihr sollt nicht ausbeuten, keinen Verrat begehen, kein Neugeborenes, kein Kind, keine Frau und keine Jugendlichen töten.‘ Der Prophet hat von diesem umfassenden Schutz für Zivilisten nicht einmal Angehörige seiner Feinde ausgenommen. Selbst wenn sie Einfluss auf kriegerische Entscheidungen hatten. Auf den Koran und den Propheten kann sich der IS nicht stützen, wenn sich seine Anhänger inmitten Unschuldiger Menschen in die Luft springen. Der IS weiß das." (Seite 228) - Anmerkung: Hier die Quelle für das Zitat des Propheten: https://sunnah.com/abudawud/15 Dieses Zitat ist schwach, deshalb hier ein absolut authentisches: https://abuaminaelias.com/dailyhadithonline/2012/09/17/jihad-killing-women-children - Und schaut auch mal hier vorbei: https://abuaminaelias.com/was-prophet-muhammad-a-terrorist

Über kritikwürdige Verhältnisse in islamischen Ländern schreibt Jürgen: "Vor einigen Jahren besuchte ich in pakistanischen Rawalpindi den ehemaligen Geheimdienstchef Pakistans Hamid Gul. Ich kannte ihn seit Jahrzehnten. Ich erlaubte mir daher, ihm einen Vortrag über die mangelnden Frauenrechte in den paschtunischen Regionen und über die inakzeptable Gewalt der Taliban gegenüber Zivilisten zu halten. Hamid Gul erwiderte kühl: ‚Als wir Paschtunen vor über tausend Jahren den Islam annahmen, haben wir nicht versprochen, unsere paschtunischen Sitten und Bräuche aufzugeben. Der Islam ergänzte die paschtunischen Stammesgesellschaft, aber er ersetzte sie nicht." (Seite 123)


Zu guter Letzt noch ein paar dort erwähnte Links:





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Buchempfehlung: "Der Islam als Alternative" von Dr. Murad Hofmann

 


211 Seiten


Beschreibung:

Ein spannendes Plädoyer für den Islam als alternativer Lebensweise - auch für uns im Westen. Gehalten von einem juristisch wie philosophisch geschulten Muslim, der fest auf dem Boden des klassischen Islam steht und als deutscher Diplomat vor Ort intimer Kenner der arabischen Welt ist. Um Brücken zu schlagen, packt er jedes heiße Eisen an, aus dem das alte und das neue Feindbild  >>Islam<< unter Europäern geschmiedet wurde. Ein provozierendes, wichtiges Buch zum Erfassen der wahren Dimension einer uns nahen und doch so fremden Religion, die das Leben einer Milliarde Menschen, darunter eine stetig wachsende Zahl Deutscher, bestimmt. Biografie: Murad Wilfried Hofmann, geboren 1931, promovierter Jurist, arbeitete 33 Jahre im diplomatischen Dienst, zuletzt als deutscher Botschafter in Algerien und Marokko. Heute bereist er als vielgefragter Vortragender vor allem Westeuropa, die USA und muslimische Staaten. Dr. Hofmann konvertierte 1980 zum Islam und veröffentlichte seither zahlreiche Aufsätze und Bücher über interkulturelle und -religiöse Themen.


Mehr über Dr. Murad Hofmann:


Dieses Jahr im Januar verstarb der faszinierende, inspirierende Murad Hofmann, nachdem er vierzig Jahre lang Muslim war. رَحِمَهُ ٱللَّٰهُ‎


Meine Meinung:


Dieses Buch stammt aus dem Jahr 1992 und ist somit 28 Jahre alt, doch davon merkt man nichts. Die typischen Vorurteile gegenüber dem Islam - Terrorismus und die Rolle der Frau - waren schon damals weit verbreitet. Es ist definitiv auch für heutige Leser empfehlenswert, weil es den Islam auf wenigen, sich schnell lesenden Seiten, erklärt. Wie man am Inhaltsverzeichnis oben sehen kann, werden viele interessante Themen angeschnitten. Durch diese gute Mischung ist dieses Buch hier ein Muss für Nichtmuslime, meiner Meinung nach.

Schaut unbedingt bei der eben verlinkten Wikipedia-Seite für eine Zusammenfassung seiner Thesen vorbei.

Er hat viele interessante Gedankengänge in diesem Buch veröffentlicht. Zum Beispiel:

- das Risiko, durch eine Fehlinterpretation der islamischen Regel "Das Rechte gebieten und das Unrechte verbieten" zu einem Volk "der Tugendwächter, Spitzel und 'Vigilanten' zu werden

- wie genau der westliche Menschenrechtskodex vom islamischen abweicht

- dass der Koran für die Bestrafung von Ehebruch schier Unerfüllbares einfordert (die Bedingungen, wonach jemand bestraft werden kann)

- und vieles mehr


"Muslim zu sein beruht auf zwei Voraussetzungen, (a) dem Glauben an einen personalen (aber geschlechtslosen), transzendenten (aber in der Welt wirksamen) Gott und (b) dem Glauben an seine Offenbarungen in abrahamischer Linie bis auf Muhammad. Muslime glauben an Gott, weil ihnen Seine Existenz angesichts der Existenz der Welt (d. h. ontologisch) und ihrer Bedingtheit (d. h. kausal) evident erscheint, obwohl sie wissen, daß es wissenschaftstheoretisch fragwürdig ist, von sinnlich Erkennbarem auf sinnlich nicht Erkennbares zu schließen [...]" (Seite 29)

"Ein Großteil der einfachen Gläubigen [...] praktiziert einen Monotheismus, bei dem Gott mehr oder weniger mit Jesus identisch ist. Diese anthopomorphische Gottesvorstellung - das Kindlein in der Krippe - kommt dem Bedürfnis entgegen, etwas zu verehren, was sich nicht zu sehr von uns unterscheidet. (Es war dieser Gott, den Nietzsche tötete!) [...] Vor allem im evangelischen Bereich wird Jesus jedoch bis in den Klerus hinein immer weniger als Gott gesehen, sondern als ein Maßstäbe setzender, Nächstenliebe vorlebender, anrührender Mensch, an dem zu orientieren sich lohnt [...]. Jesus gerät so in Gefahr, zum Prototyp des Sozialarbeiters im Rahmen einer Theologie der Misere zu verkümmern." (Seite 45)

Was mir nicht gefiel:

Ich kritisiere, dass behauptet wird, dass das Kopftuch laut einer Minderheit der Gelehrten nicht verpflichtend sei. Das suggeriert für den Leser, dass es da keinen Konsens gäbe, obwohl natürlich darauf aufmerksam gemacht wird, dass die islamische Orthodoxie da deutlich ist bezüglich des Kopftuchs. Im Vorwort von Annemarie Schimmel wird das jedoch einfach so behauptet, dass es keine Pflicht sei.

Außerdem wird ein unauthentischer Hadith erwähnt, wonach der Prophet gesagt habe, man solle nach Wissen streben, selbst wenn man dafür nach China reisen müsse. Erfunden laut Sheikh Albaani in Da’eef al-Jami (906).

Seite 171 des Buches ist meiner Meinung nach polemisch und unnötig...!

Auf Seite 49 wird kritisiert, dass die katholische Kirche einen Absolutheitsanspruch hat. Das finde ich immer so falsch... Das haben Religionen so an sich...!

PS: Murad Hoffmann hat auch ein Buch namens "Der Islam im 3. Jahrtausend" geschrieben, doch das empfehle ich hier nicht, weil ich vieles daran nicht mochte. Es enthält aber dennoch einige gute Sachen - es ist mir aber wichtig, dass ich hinter meinen Empfehlungen stehen kann.


PPS: Noch ein Zitat von ihm von diesem tollen Link hier: www.way-to-allah.com/dokument/tagebuchwilfriedhoffmann.pdf - "Die Vorstellung, man könne durch Opfer Vergebung erkaufen, ist urheidnisch und geht der Entwicklung des Bildes von Gott, dem „Barmherzigen und Gütigen", voraus. Das hindert christliche Interpreten nicht, die Notwendigkeit eines „Opfertodes" von Jesus aus der Mechanik des Opferkultes herzuleiten: Um vergeben zu können (!), brauchte Gott sein Selbst-Opfer. Wer, so frage ich, setzt Gott derartige Bedingungen?"


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31.10.2020

Buchempfehlung: "Sag was! Radikal höflich gegen Rechtspopulismus argumentieren" von Philipp Steffan

https://www.jetzt.de/politik/rechtspopulismus-und-rassismus-widersprechen-philipp-steffan-ueber-sein-buch-sag-was



80 Seiten


Beschreibung:

Klare Ansage: Sag was gegen rechts! Rechtspopulismus nimmt immer mehr zu. Doch wie identifiziert man rechtes Gedankengut und vor allem: Wie geht man damit um? Diesen Fragen widmen sich der hoch gelobte junge Verein „Tadel verpflichtet! e.V.“ mit seiner Bildungsinitiative "diskursiv", die dieses praxisnahe Bändchen mit Gesprächstaktiken, Tipps und Lösungsvorschlägen herausbringt. „Sag was“ bietet starke Argumentationshilfen gegen Rechtspopulismus, gezielt für junge Menschen.


Meine Meinung:

Ein super kleines Büchlein! Auf wenigen Seiten ist kompakt zusammengefasst, wie man am besten reagiert, sobald man im Bekanntenkreis etwas rechtspopulistisches hört. "Radikal höflich" trifft es hier auf den Punkt, denn es geht um respektvolle Unterhaltungen, vorausgesetzt natürlich, dass die Gesprächspartner keine waschechten Nazis sind und so etwas: klick verbreiten.

Sehr zu empfehlen. Ich denke, gerade wegen der Kürze. So bleibt viel im Kopf hängen.

http://www.diskursiv.net



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Buchempfehlung: "Antisemitismus: Präsenz und Tradition eines Ressentiments" von Prof. em. Dr. Wolfgang Benz


249 Seiten


Meine anderen Buchempfehlungen von ihm:

Buchempfehlung: "Die Feinde aus dem Morgenland: Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet" von Prof. em. Dr. Wolfgang Benz (mit wichtigen Links)


Wikipedia sagt über Wolfgang Benz:

"Wolfgang Benz (* 9. Juni 1941 in Ellwangen) ist ein deutscher Historiker der Zeitgeschichte und international anerkannter Vertreter der Vorurteilsforschung, der Antisemitismusforschung und der NS-Forschung. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung, dessen Jahrbuch er bis 2011 herausgab." - Link


Beschreibung:

Judenfeindschaft aus unterschiedlichen Motiven gipfelte unter nationalsozialistischer Ideologie im 20. Jh. im Völkermord. Der Judenhass lebte fort, daneben entstand nach dem Holocaust ein mit neuen Argumenten operierender Antisemitismus, der Scham- und Schuldgefühlen entspringt. Der oft beschworene „neue Antisemitismus“ ist dagegen nichts anderes als die monotone Judenfeindschaft mit ihren Stereotypen, Legenden, Unterstellungen und Schuldzuweisungen, die sich in Jahrhunderten entwickelt hat.

Antisemitismus ist ein zentrales Element des Rechtsextremismus, aber er kommt aus der Mitte der Gesellschaft. Doch nicht nur Judenhasser bieten Anlass zur Sorge. „Islamkritiker“ denunzieren pauschal alle Muslime als Judenfeinde und Überengagierte versuchen, Antisemitismus auf die Haltung gegenüber Israel zu verengen und beziehen in ihr Verdikt jede kritische Haltung zur israelischen Politik mit ein.

Objektive Kriterien, was Antisemitismus ist, wie er sich historisch entfaltete, in welchen Formen er vorkommt, wie Judenfeindschaft von Israelkritik abzugrenzen ist, sind für eine differenzierte Betrachtung unentbehrlich. Informationen und Argumente dazu finden sich in diesem Buch.


Meine Meinung:

Ich liebe ja das oben verlinkte Buch "Die Feinde aus dem Morgenland" von Wolfgang Benz. Es hat sehr viele Islamhasser aufgeregt, dass der Antisemitismusforscher die sogenannte Islamkritik als Hetze erkannt und thematisiert hat, denn dass Herr Benz Ahnung von Diskriminierung hat, ist aufgrund seiner beruflichen Biographie absolut logisch. Kein Wunder, dass er beschimpft und bedroht wird.

Nun fände ich es aber falsch, wenn Muslime über "Die Feinde aus dem Morgenland" jubeln, das Thema Antisemitismus aber unter den Teppich kehren.

Natürlich sind viele derjenigen, die Muslime als Antisemiten darstellen, Heuchler, denn wenn Nazis zum tausendsten Mal jüdische Friedhöfe schänden oder planen, Juden zu erschießen, dann werden viele dennoch behaupten, dass man Rechtsradikalismus nicht innerhalb der Gesellschaft besprechen muss. Denn schlimm sind ja nur die Muslime. Und nur die können Antisemiten sein. Wir kennen das Phänomen ja beim Thema Christenverfolgung; bei diesem Thema wird das Leid arabischer Christen thematisiert, doch die palästinensischen Christen haben da offenbar einfach Pech gehabt.

Diese zu beobachtende Heuchelei bedeutet aber nicht, dass wir Muslime das Thema Antisemitismus unter Muslimen einfach unter den Teppich kehren dürfen! Ich habe viel beobachtet und es ist zum Kotzen. Ich schäme mich sehr dafür.

Das Buch "Antisemitismus: Präsenz und Tradition eines Ressentiments" ist eine gute, umfangreiche Zusammenfassung über den Antisemitismus und die Gefahr, die er beinhaltet. Und ja, es gibt auch ein Kapitel namens "Judenfeindschaft von Muslimen"!

"Die Feindschaft von Muslimen gegen Israel ist älter als der Staat, der Objekt ihres Hasses ist, trotzdem ist die Annahme falsch, es gäbe einen aus islamischer Kultur und Religion resultierenden eigenen islamischen Antisemitismus, ähnlich dem christlichen Antijudaismus des Mittelalters [...]. Die Ressentiments der christlichen Bevölkerung, die es gleichzeitig verstand, muslimische Abneigung gegen die Juden zu forcieren, fanden Nahrung in antisemitischen Traktaten, die aus europäischen Sprachen ins Arabische übersetzt wurden." (Seiten 198-199). (Das Kapitel ist dennoch sehr kritisch, keine Sorge!)


Mehr zum Thema Antisemitismus und meiner Überzeugung, dass er unislamisch ist, hier auf meinem Blog:

Nichtmuslime im Islam



Empfehlenswerter Artikel über sein neuestes Buch, was ich natürlich auch lesen und hier vorstellen werde (auch zum Thema Antisemitismus unter Muslimen):



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Buchempfehlung: "Der Nahost-Konflikt: Eine Einführung" von Dr. Margret Johannsen


249 Seiten


Beschreibung von:

https://www.springer.com/de/book/9783658160876

(Leseprobe dort!)

Dieses Lehrbuch behandelt den Nahost-Konflikt als Schlüsselelement der internationalen Beziehungen. In diesem Band werden sowohl der Kern des Konflikts als auch die internationalen Dimensionen auf knappem Raum dargestellt. Für die vierte Auflage wurde das Buch erneut umfassend aktualisiert und überarbeitet.

Dr. Margret Johannsen ist Politikwissenschaftlerin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und Dozentin im postgradualen Studiengang Master of Peace and Security Studies. Seit 2009 ist sie Mitherausgeberin des jährlich erscheinenden Friedensgutachtens.


Beschreibung von:

https://www.buecher.de/shop/wissenschaftsgeschichte/der-nahost-konflikt/johannsen-margret/products_products/detail/prod_id/47079545/

Der Nahost-Konflikt ist ein Schlüsselelement der internationalen Beziehungen. In diesem Buch werden sowohl der Kern des Konflikts als auch die internationalen Dimensionen auf knappem Raum dargestellt.

Rezension: "... Bereits in der Einleitung fallen die präzise und eingängige Sprache des Buches sowie seine durchdachte Struktur auf ... erfüllt sein Ziel, einen umfassenden, aber übersichtlichen Überblick über den vielschichtigen Nahostkonflikt zu bieten, in vollem Umfang. Der logische Aufbau der Kapitel, der gut strukturierte Inhalt, die eingängige Sprache sowie klare Definitionen von Regionen, Begriffen und Konzepten helfen, den Konflikt zu verstehen ... Hilfreich sind auch die kommentierten Literaturhinweise." (Joana Westphal, in: S+F Sicherheit und Frieden, Jg. 35, Heft 3, 2017)


Rezension:

https://theologieundwelt.wordpress.com/2017/04/23/der-nahost-konflikt/


Meine Meinung:

Dieses Buch war in Heft-Form in meinen Studienheften für das Fach Politik bei meinem Abitur-Fernlerngang. Ich war so begeistert davon, wie leicht verständlich und dennoch umfangreich die Autorin das Thema so gut behandelte. Ich kaufte mir dann dieses Buch, nur um festzustellen, dass es eben das selbe ist. Deshalb schickte ich es wieder zurück, aber allen anderen empfehle ich es sehr. Leider ist der Preis katastrophal. Der E-Book-Preis ist okay. Eine absolute Empfehlung an alle.



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12.10.2020

Buchempfehlung: "Lieblingsfeind Islam: Historische, politische und sozialpsychologische Aspekte des antimuslimischen Rassismus" von Petra Wild




272 Seiten


Beschreibung:





Beschreibung von Petra Wild von dieser Seite: http://www.muslim-markt.de/interview/2013/wild.htm :

"Petra Wild, geboren 1963 in Aarbergen (Hessen), studierte zwischen 1989 und 1994 Arabisch am Notre Dame-Institut im arabischen Jerusalem, als Gasthörerin an der Universität Leipzig und am Institut des Études arabes in Damaskus. Damit konnte sie ihr bereits seit 1982 bestehendes Interesse für Palästina und die arabische Welt vertiefen. Ab 2000 studierte sie Islamwissenschaft am Institut für Afrika- und Asienwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin und schloss ihr Studium 2008 ab."


Ich möchte unbedingt das Inhaltsverzeichnis teilen mitsamt den Zwischen-Überschriften (übersichtlich geht anders...!):










Hier sind die ersten beiden Kapitel zu lesen und ein Teil des dritten Kapitels:
Einmal bitte diese Rezensionen lesen:





Meine Meinung:

Absolut großartig. Sehr umfangreich, wie man an der Inhaltangabe ja sehen kann.

Zitate:

"An die Stelle der Kategorie der Rasse ist heute die Kategorie der Kultur getreten. All das, was früher Rassen zugeschrieben wurden, wird heute auf Kulturen projiziert" (S. 15).

"Der Rassismusforscher Albert Memmi hat das Wesen des Rassismus auf den Punkt gebracht, als er erklärte, dass der Rassismus in letzter Konsequenz auf dem Friedhof endet" (S. 20).

"Die 'Erbsünde' spielte über Jahrhunderte in Europa eine wesentliche Rolle bei der Dämonisierung von Frauen" (S. 58).

"Die Kreuzzüge waren gleichermaßen antiislamisch und antisemitisch. Sie verankerten die Dämonisierung von Juden und Muslimen tief im europäischen kollektiven Gedächtnis. Auch die Vertreibung der Muslime und Juden aus Spanien verlief parallel" (S. 84).

"Wie der Islam heute wurde früher das Judentum zur Wurzel von Patriarchat und Frauenunterdrückung erklärt. [...] Die Nationalsozialistin Sophie Rogge-Börner rief in der Zeitschrift Die deutsche Kämpferin zum gemeinsamen Kampf mit den 'arischen Rassegenossen' gegen das 'orientalisch-jüdische Patriarchat' auf [...]" (S. 86). - Siehe hierzu:


und:


"Jüdische Fundamentalisten beziehen sich auf die Bibel, um Gewalt gegen Palästinenser zu rechtfertigen und teilweise sogar die Vernichtung all derer fordern, die Juden schaden" (S. 117).

Die Autorin erwähnt auch, wie der Nachrichtendienst MEMRI einmal ein palästinensisches Mädchen falsch übersetzte. Sie sagte im Fernsehen: "Die Juden werden uns töten", doch übersetzt wurde es als "Wir töten die Juden". Als MEMRI darauf aufmerksam gemacht wurde, weigerten sie sich, den Fehler zu beheben: https://www.theguardian.com/commentisfree/2007/may/15/arabicunderfire

(Mehr zu diesem Nachrichtendienst:


Und grundsätzlich kann man auch noch mal hier vorbeischauen:



Sie erwähnt auch, dass die Regelung, dass man als Vergewaltiger einer Strafe entgehen kann, wenn man sein Opfer heiratet, nicht vom Islam stammt, sondern vom Kolonialismus:



Ich versuche gerade, Bruchstücke dieses Buches offenzulegen, aber letztendlich bleibe ich unzufrieden mit dieser Buchempfehlung, denn es ist unmöglich für mich, die Großartigkeit dieses Werkes auch nur ansatzweise irgendwie aufzuzeigen. Große Empfehlung.

PS: Ich gehe nicht hundertprozentig mit der Kapitalismuskritik konform.


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