24.12.2017

Wenn ich keine Muslima wär...

Ich bin seit 7 1/2 Jahren Muslima. Für mich ist es das normalste auf der Welt. Ich liebe es, dass es sich so selbstverständlich anfühlt. Es ist so, als wäre ich es schon immer gewesen. Zum Beispiel ist mein Kopftuch ein Teil meiner Identität. Und andere Muslime, wo auch immer sie herkommen, sind "meine Leute". Es ist alles so selbstverständlich für mich.

Aber besteht hier nicht die Gefahr, dass man das Geschenk der Rechtleitung nicht genug wertschätzt? Also irgendwie schon. Deshalb stelle ich mir manchmal bewusst vor, wie es wäre, wenn ich keine Muslima wäre, damit ich noch dankbarer bin. Und ich muss sagen, es ist eine furchtbare Vorstellung.


Natürlich wäre das schlimmste daran, keinen Kontakt zum Schöpfer von Himmel und Erde zu haben. Ich würde nicht wissen, was der Sinn des Lebens ist. Ich würde nicht dieses Gefühl des Glaubens spüren, das viele Muslime kennen. Dieses Gefühl der Nähe zu ALLAH سبحانه و تعالى. Ich vergleiche es mit Licht, und ich denke, viele Muslime würden mir da glatt zustimmen.


Ohne den Tauhid (Monotheismus) würde ich weiterhin die Schöpfung zum Gott nehmen. Ich spreche nicht mal vom Polarstern (X), sondern von anderen Menschen. Oder Erfolg. Ich wäre weiterhin auf kranke Weise besitzergreifend und würde jedes Mal sterben, wenn mir etwas entrissen wird. Ich weiß jetzt, wo mein Herz hingehört. Klick mich.


Ohne den Glauben an die Vorherbestimmung, den Glauben daran, dass es eine Abrechnung am Jüngsten Tag gibt und den Glauben an ein Paradies ohne Schmerz, könnte ich den Schrecken der Welt nicht ertragen. Ich weiß nicht, wie ich das durchstehen könnte. Das selbe gilt übrigens für die Tatsache, dass alle Lebewesen irgendwann sterben.

Religionshasser geben ja immer "emotionale Schwäche" als Grund an, weshalb jemand gläubig ist. Ja, das stimmt. Ich bin zu schwach. Aber es gibt keinen Grund, um süffisant zu lächeln - denn jeder andere Mensch auf der Welt ist es auch. Spätestens dann wenn das Flugzeug abstürzt.

Der Glaube an die Auferstehung bedeutet mir sehr viel. Ein Christ hat mal gesagt: "Der Tod hat nicht das letzte Wort." Es ist die Wahrheit. Am Jüngsten Tag werden wir so stark verwest sein, dass nicht mal unsere Knochen übrig bleiben werden. Und doch werden wir wieder zum Leben erwachen. Körperlich.


Ich hätte nicht die Stärke, die ich heute habe. Denn ich habe sie bekommen, indem ich für meine Religion gekämpft habe. Außerdem weiß ich als Muslima: Jede Sorge, jede Trauer, jeder Schmerz löscht Sünden (X). Und der einzige Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Tag ist der, ob man Allahs سبحانه و تعالى Wohlgefallen erreicht hat oder nicht. Eigentlich ist es mit dem ganzen Leben so.


Ich wäre ein schlechterer Mensch. Denn der Islam macht mich zu einem besseren Menschen. Weil ich weiß, dass Gott mich für gute Taten belohnen kann. Natürlich machen auch nicht-religiöse Menschen gute Taten. Aber ohne Religion würde ich viel öfter sagen "Nee, mir ist nicht danach", sobald es irgendwie anstrengend wird, sich moralisch gut zu verhalten.

Es sind solche Worte, die mich dazu inspirieren, ein besserer Mensch zu werden:

http://rebeccalovesnightsky.tumblr.com/tagged/radical-IZZZloam


Das Gemeinschaftsgefühl mit anderen Muslimen und der Zugang zu anderen Kulturen war kein Grund für meine Konversion (und es gibt auch keinen bescheuerteren Grund für eine Konversion), aber mittlerweile kenne ich beides und es gefällt mir natürlich sehr. Ich liebe den Gedanken, dass wir alle Geschwister sind.


Ohne den Islam wäre ich heute sehr sehr sehr unpolitisch. Das wäre zwar entspannend (...ja...!), aber falsch. Durch meine Religion hatte ich oft keine andere Wahl, als mich für Politik zu interessieren. Das hat meinen Horizont erweitert.


Der Hintergedanke an Missionieren hat mich dazu motiviert, immer freundlich und gut zu anderen, auch fremden Menschen zu sein. Mittlerweile habe ich das Schöne daran entdeckt und mache es jetzt um des freundlichen Kontaktes Willen, weil wir Menschen einfach gesellige Lebewesen sind. (Doch für Dawa bin ich natürlich weiterhin immer bereit, haha!)


In meinem Artikel "Warum ich den Islam liebe" schreibe ich: "[Es gibt] auch so unendlich viel zum Lernen und zum Studieren. Toll! Der Islam ist definitiv eine intellektuelle Religion, denn es gibt so viele Themengebiete." - Das ist wirklich so. Mein Bücherregal wäre ohne meine Religion viel kleiner.


"Its a comforting thought that, although I am the worst muslim I know and drowning in sins, at least Allah subhana wa teala protected me from kuffr… He cares for my soul. Still. That’s the most beautiful thing: to feel like God saw some value in your soul." - Rebecca Shahida Mariam

"Billions of souls in the darkness and Allāh ﷻ chose yours to be guided by His Mercy." - Unknown

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