14.02.2017

Buchempfehlung: "Die Feinde aus dem Morgenland: Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet" von Prof. em. Dr. Wolfgang Benz (mit wichtigen Links)



206 Seiten


"Diejenigen, die sich bei uns als 'Islamkritiker' aufspielen, haben in aller Regel etwas gegen Muslime - auch wenn sie behaupten, das sei gar nicht so." - Prof. Dr. Wolfgang Benz, hier: https://www.fr.de/politik/vorurteile-wie-minderheiten-in-die-ecke-gestellt-werden-90066687.html


Klappentext:

Wolfgang Benz beschreibt in diesem Buch die Strategien, Vorurteile und Verschwörungstheorien der Islamgegner, untersucht ihre Verbreitung und zeichnet ihre Traditionen nach. Dabei macht er sich die Erkenntnisse der Vorurteilsforschung im Allgemeinen und der Antisemitismusforschung im Besonderen zunutze, um die Mechanismen der Ausgrenzung einer Minderheit durch die Mehrheit zu verdeutlichen. Alle Anstrengungen, aus der Erfahrung des Holocaust zu lernen, wären vergeblich, wenn anstelle der Juden andere Gruppen stigmatisiert würden.

Wikipedia sagt über Wolfgang Benz:

"Wolfgang Benz (* 9. Juni 1941 in Ellwangen) ist ein deutscher Historiker der Zeitgeschichte und international anerkannter Vertreter der Vorurteilsforschung, der Antisemitismusforschung und der NS-Forschung. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung, dessen Jahrbuch er bis 2011 herausgab." - Link

(Wer denkt, dass ich bei solchen Buchempfehlungen immer "Wikipedia sagt über XY" einbaue, um mich damit zu brüsten, dass die Islam-Verteidiger nicht ungebildet sein können, liegt übrigens zu 100 % richtig. Wolfgang Benz heißt übrigens "komplett": Prof. em. Dr. Wolfgang Benz.)


Meine anderen Buchempfehlungen von ihm:

Buchempfehlung: "Antisemitismus: Präsenz und Tradition eines Ressentiments" von Prof. em. Dr. Wolfgang Benz


Meine Meinung:

Dies ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Als Experte für Antisemitismus weiß Wolfgang Benz vieles über menschenfeindliche Propaganda, und da er die bestehende Hetze gegen Muslime nicht akzeptiert, sondern dagegen spricht, ist er ein Dorn im Auge der Islamhasser.

Kay Sokolowsky, hier meine Buchempfehlung über sein Buch: KLICK, verriet ihm in einem Interview, dass die Islamhasser Wolfgang Benz gerne "mit nichts als dem nackten Hemd auf dem Arsch" in die Wüste verbannen würden. "Sie werden nicht überleben" soll ein weiterer Muslimfeind geschrieben haben. Ich habe die Stellen innerhalb von einer Minute gefunden: http://www.pi-news.net/2009/02/man-muss-die-bloggerei-nicht-so-ernst-nehmen.

Aber nun zu seinem Buch. Bitte bedenkt, dass meine Beschreibung sich auf das konzentriert,  was mir am meisten gefallen hat, sie ist also als unvollständig zu betrachten.

Wolfgang Benz nimmt "Argumente" der Muslimfeinde auseinander, so zum Beispiel jenes, dass von Juden im Gegensatz zu Muslimen nie eine Gefahr ausgegangen sei.

Das pseudowissenschaftliche Herumwerfen mit Koransuren oder manchmal sogar mit Tafsiren, vergleicht Herr Benz mit der früheren antijüdischen Hetze gegen den Talmud. Das fand ich besonders interessant - zum Glück thematisiert Wolfgang Benz es sehr ausführlich.

Aber es gibt noch einige andere Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamhass, z. B. die Angst vor einer demografischen Unterwanderung. Auch das Thema Parallelgesellschaft passt hierzu. Und - natürlich! - das angeblich theologisch motivierte Täuschungsgebot.

Er zeigt außerdem die Geschichte der Islamfeindschaft auf. Noch dazu erklärt er, dass Antisemitismus und auch Rassismus generell dem Islam schon immer wesensfremd war und nur durch den Import aus Europa seinen Weg in muslimische Gesellschaften fand.

Selbstverständlich zeigt er viele Beispiele für Islamhass auf, so z. B. die vielen schrecklichen Kommentare im Internet, in denen man zum Völkermord an Muslimen aufruft: KLICK

S. 147 bis 155 enthalten Zitate von Internetseiten, z. B.:

"Der Mord ist zu verurteilen, allerdings gibt es jetzt eine islamische Gebärmaschine weniger. Ja, das ist zynisch, aber die Moslems haben nun mal allen "Ungläubigen" den Krieg erklärt und wollen mit Waffengewalt und Massenvermehrung die Welt unterwerfen. Da heißt es letztendlich: die oder wir." - Kommentator "aloha" am 2.7.2009 auf der Seite gesamtrechts.wordpress.com in Bezug auf die wegen ihrer Religion ermordete Marwa El-Sherbini.

Oder: "Ich kann kein Mitleid mit dieser Frau empfinden. Ich weiß nämlich, wie arrogant sich diese Kopftuch-Schlampen mit ihrem Nachwuchs auf dem Spielplatz (und sonst im gesamten öffentlichen Raum) spreizen, als ob sie hier die Herren währen." - Kybeline auf http://gruene-pest.net/showthread.php?t=285241

Im Buch gibt es ca. 18 weitere Zitate zu lesen, die den Mord an ihr relativieren. Ich danke Herrn Benz dafür, dass er auf solch einen Hass aufmerksam macht.

Er erzählt noch viel mehr, z. B. etwas über das gemeinsame Verhältnis zwischen Orient und Okzident in der Vergangenheit wie bei den Kriegen und Kreuzzügen.

Was mir nicht gefiel, war das Interview mit DITIB, aber das war sehr kurz.

Ich weiß nicht, ob ich meine Erlaubnis bekomme, ein paar meiner Lieblingszitate einzufügen, aber ich denke, man hat jetzt schon einen ziemlich guten Überblick bekommen.


Unbedingt (!) alles in folgenden Links durchlesen, um einen NOCH besseren Überblick zu bekommen:




"Er [Hans-Peter Raddatz] unterstellt damit, Muslime seien durch Gebote ihrer Religion zu Bösem verpflichtet. Ähnlich trieben einst die Propagandisten des Antisemitismus Hetze unter Berufung auf den jüdischen Talmud. [...] Gegen die Juden hatte es einst geheißen: «die Juden bilden unter dem Deckmantel der "Religion" in Wahrheit eine politische, sociale und gesellschaftliche Genossenschaft, die, im heimlichen Einverständnis unter sich, auf die Ausbeutung und Unterjochung der nichtjüdischen Völker hinarbeitet.» Das stand im weitverbreiteten «Antisemiten-Katechismus» des Theodor Fritsch (1852-1933), der auch das folgende Klischee bediene: «Durch seine besonderen Sitten-Gesetze (Talmud und Schulchan aruch) betrachtet sich der Jude als außerhalb aller übrigen Gesetzes-Vorschriften stehend und hält sich berechtigt, alle Landesgesetze zu übertreten - aber immer auf eine solche Art, daß ihm dieser Mißbrauch nicht nachgewiesen werden kann.»"

(S. 30)



"Um 1240 eiferte Nicolaus Donin, ein zum Christentum konvertierter Jude, in Paris gegen die Juden. Er behauptete einen Zusammenhang angeblicher jüdischer Ritualmorde mit Geboten des Talmud. Papst Gregor IX. verfügte daraufhin die Beschlagnahme jüdischer Schriften. [...] Hass gegen Muslime instrumentalisiert heute auf gleiche Weise deren Religion und missbraucht den Koran, wie einst Judenfeinde den Talmud verteufelten."

(S. 47)


"Der Wiener Islamwissenschaftler Bert G. Fragner macht auf ein weiteres Missverständnis aufmerksam, nämlich auf den Glauben, islamische Religion und Kultur seien nicht zu trennen. [...] Diese Verengung des Kulturbegriffs habe, so Fragner, dazu geführt, dass Gebräuche regionaler Kultur wie die Beschneidung von Frauen in Afrika oder die Ehrenmorde im Mittelmeerraum als zwingende Gebote der Religion verstanden werden, die sie nicht sind."

(S. 58-59)



"Dem Befund, dass Antisemitismus wie auch generell Rassismus dem Islam ursprünglich wesensfremd war und als Import aus Europa Eingang in muslimische Gesellschaften fand, setzt Raddatz unter dem Beifall derer, die dem Islam aus politischen Gründen eine implizite, d. h. wesenseigene und von allem Anfang an inhärente Judenfeindschaft zuschreiben wollen, die These vom immanenten Antisemitismus des Islam entgegen. Das entspricht nicht der historischen Wahrheit - das auszusprechen verharmlost die vehemente Judenfeindschaft und den Hass auf Israel, die im arabischen Raum grassieren, in keiner Weise."

(S. 84)



"Schwerer als die Emotionalität, die wegen der Familiengeschichte der Autorin [Necla Kelek] verständlich ist, wiegt ihre Neigung zur Verallgemeinerung ihrer Rechercheergenisse. Noch viel fragwürdiger ist die Verabsolutierung ihrer Befunde über die Parallelgesellschaft. Denn jedes Einwanderungsland hat Parallelgesellschaften als unmittelbare Folge des Immigrationsgeschehens. Die erste Zuwanderergeneration lebt, schon aus sprachlichen Gründen, in der Regel im Ghetto, sucht die Nähe zu Menschen gleicher Herkunft auch deswegen, weil sie von der Mehrheitsgesellschaft noch nicht angenommen ist. Das ist unter Migranten, die, aus Griechenland kommend, in Australien Bürger werden, nicht anders als bei Menschen, die von Polen nach Kanada wandern oder aus Vietnam nach Österreich. In den USA gibt es mehr als 16 Millionen Einwanderer aus Ländern muslimischer Kultur, die sich zwar ihrer Herkunft bewusst sind, aber dennoch nicht in Parallelgesellschaften leben. Parallelgesellschaften sind, das ist eine Erkenntnis der Migrationsforschung, nicht statisch. Sie bilden vielmehr ein Stadium des Übergangs, und sie sind nicht grundsätzlich antagonistische Phänomene, mit denen sich Minderheiten feindlich gegen die Mehrheit abgrenzen."

(S. 112)



"Die deutlichste Parallele zum Antisemitismus ist das religiöse Argument: Im 19. Jahrhundert wurden Juden als Feinde stigmatisiert, weil ihre Religion ihnen angeblich gebiete, aggressiv gegenüber Nichtjuden zu sein. Da faselten selbst ernannte Talmud-Experten dem Publikum vor, was alles an bösen Dingen im Talmud stehe. In der heute gängigen islamfeindlichen Literatur und im Internet finden sich genau die gleichen Argumente. Muslimen wird auf "PI" in gehässigen Tiraden die Vollwertigkeit als Menschen abgesprochen. Das hat eine unübersehbar rassistische Komponente. Der kulturell-religiöse Vorwurf allein bewegt die meisten Menschen in einer säkularisierten Gesellschaft nur noch wenig. Deshalb wird die islamische Religion zur politischen Ideologie erklärt. Und wenn die Zuschreibungen mit genetischen Eigenschaften vermischt werden und in die Behauptung münden, dass Muslime mindere Menschen seien, die weder integrationsfähig noch überhaupt assimilationswillig seien - auch das eine Parallele zum Antisemitismus -, dann liegt eine klassische Feindbildkonstruktion vor. Der Szene geht es um Angriffe auf die Menschenrechte von Bürgern, weil diese Muslime sind."

(S. 156)



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"In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei. Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch."
  


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