07.09.2014

Buchempfehlung: "Die Frau zur Zeit des Propheten Muhammad"





296 Seiten

Klappentext:

"Das vorliegende Buch ist eine wissenschaftliche Abhandlung, welche sich zum Ziel setzt, die Situation der Frau während der Prophetie Mohammeds zu rekonstruieren. Der Autor bedient sich dabei der ältesten und bekanntesten Werke der islamischen Geschichtsliteratur und der neuzeitlichen Forschungsliteratur. Entgegen der Ressentiments und Vorurteilen über die "Frau im Islam", welche sich nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft vorfinden lässt, soll dieses Buch ein Beitrag dazu leisten, um wissenschaftlich zu verdeutlichen, wie es um die Frauen zur Zeit der Prophetie stand. Hierbei werden die wichtigsten Themen unterteilt: Bildung, Arbeit, Familie, Politik, Krieg usw. Zu jedem Thema bietet dieses Buch eine Fülle von Informationen über die Frau und über ihre gesellschaftliche Situation in den Anfängen des Islams, welche nicht nur Leser aus der Mehrheitsgesellschaft in diesem Land überraschen dürfte, sondern auch viele der muslimischen Leser."


Meine Meinung:

Letztens habe ich dieses Buch gelesen, und da es mir so sehr gefallen hat, möchte ich es nun hier meinen Lesern empfehlen. Ich muss schon sagen - der Autor nahm den Buchtitel sehr ernst: Absolut alles, was mit Frauen zur Zeit des Propheten  صلى الله عليه و سلم zu tun hatte, wurde eingeführt, und das auf eine sehr detailverliebte Art und Weise. Es beginnt mit den Anfängen des Islam: Wer waren die ersten weiblichen Muslime? Auf welche Weise halfen die muslimischen Frauen dem Islam in der Verkündung und der Verteidigung? Was waren die religiösen Aktivitäten der Frauen? Wie stand es um die Bildung der Frau, wie um ihren Stand in der Arbeitswelt? Wurde die Frau ernst genommen oder eher belächelt? Auch auf die Frau im Familienleben wird detailliert Stellung genommen. Man kann wirklich so einiges durch dieses Buch herausfinden, beispielsweise, dass sich der Prophet صلى الله عليه و سلم immer sehr viel Zeit für die Fragen der Frauen nahm. Außerdem lernt man über die Ehen des Propheten صلى الله عليه و سلم und wie er Frauen generell behandelte. Das alles und vieles mehr kann man in diesem schönen Buch, immer mit Quellenangabe, sprich Beweisen, lesen.

Es fasziniert mich übrigens, dass wir, 1400 Jahre später, immer noch viele Namen von wichtigen Frauen besitzen!


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch viele Beweise für die Behauptung, dass die muslimische Frau in der islamischen Geschichte von Anfang an oft unentbehrlich und wichtig gewesen war, enthält! Außerdem wird deutlich, dass die Frau im Islam - wenn es denn nach Muhammad  صلى الله عليه و سلم gehen würde - nicht belächelt, sondern ernst genommen und respektiert wird.


Hier eine kleine Leseprobe! Alles, was jetzt in lila erscheint, ist von diesem Buch. Ich nehme keine Garantie für das korrekte Abschreiben der Quellenangaben. Viel Spaß!


Wegen dieser Strapazen, die sie auf sich nahmen und des Leides, das sie erfahren mussten, wollten die Musliminnen eine entsprechende Erwähnung und ihre verdiente Anerkennung. Ummu Salama, die ebenfalls viel Leid ertragen musste, sah keine entsprechende Erwähnung über die Auswanderung der Frauen im Koran, woraufhin sie den Propheten diesbezüglich befragte. Wegen dieser Haltung soll 3:195 offenbart worden sein. (Ibn Kathir, Tafsir, 1,s,441)


[...]

(...) Für diese Auffassung führen sie das Beispiel bezüglich der Zeugenschaft einer Frau aus dem Koran heran, in dem Zeugenaussagen von zwei Frauen mit der Aussage eines Mannes gleichgestellt werden. Obwohl sich dieser Vers deutlich auf eine bestimmte Angelegenheit bezieht, welche die Frau von damals nicht besonders interessierte (Ates, Tafsir, l,s. 491-493). Diese Auffassung steht zudem im Widerspuch mit den Praktikten des Propheten, wonach für ihn die Aussage von einer Frau genügte, um (über das Bezeugte) auch ein Verbot aussprechen zu können. Der Prophet erklärte, dass auch die Frau wie der Mann durch einen Traum einen Samenerguss haben können, da "die Frau und der Mann zwei Hälften eines Ganzen seien". (Ibn Hanbal, Musnad, VI, s.256; at-Tirmidhi, Sunan, l.s.190 (Tahara, 82). Das impliziert, dass zwar die Frau und der Mann in Bezug auf das Geschlecht zwei verschiedenen Wesen besitzen, doch bilden sie zusammen eine Einheit, ein Ganzes. Diese Überlieferung wird auch folgendermaßen interpretiert: "Die Frau ist von ihrer Beschaffenheit und in der Natur dem Mann ebenbürtig." (Abu Dawud, Sunan, s.162 [Tahara,99/136])


[...]

Es wird überliefert, Ummu Salama, welche zu den ersten Muslimen gehörte und die Ehefrau des Propheten war, soll zu ihm gesagt haben: "Gottesgesandter, wieso werden die Männer in allen Themen erwähnt und wir nicht?". Daraufhin soll der Vers 33:35 offenbart worden sein. (Ibn Hanbal, Musnad, VI, s.301: Tabari, Tafsir, XXII, s.10) Es wird auch überliefert, Ummu Salama habe dem Propheten gesagt "Ich habe keinen Vers vernommen, in dem die Auswanderung der Frauen ihre Erwähnung findet", wonach 3:195 offenbart worden sein soll. (At-Tabari, Tafsir, IV, s.215).


[...]

Als weiteren Grund für die Offenbarung des Verses 33:35 erwähnt Ibn Sa'd folgende Überlieferung: Die Frauen sollen zu den Männern gesagt haben: "So wie ihr Muslime seid, so haben auch wir diese Religion angenommen und wir haben all das getan, was auch ihr getan habt, doch werdet ihr im Koran erwähnt und wir nicht." Auf diese Demonstration hin soll der besagte Vers offenbart sein. (Ibn Sa'd, Tabaqat, VIII, s.200.) Auch Ummu Umara bint Ka'b (Nusayba) gehörte zu den Frauen, die eine (explizite) Erwähnung der Frauen im Koran wollten. (Ibn Hadschar, Isaba, IV, 241-242)


[...]

Das Recht des Lebens der Frau war für Muhammad wichtig. (Laut einigen Rechtsgelehrten ist für den männlichen Apostaten die Todesstrafe vorgesehen, für weibliche aber nicht. Vgl. Ibn Nudschaym, Aschbah, s.189.) So traf er auch Maßnahmen zum Schutz der Frauen und Kinder, die zurückblieben, wenn die Muslime in den Krieg ziehen mussten. (Al-Waqidi, Maghazi, l, s.213) Darüber hinaus hat er das Lebensrecht der gegnerischen Frauen und Kinder ebenfalls respektiert und ihre Tötung strengtens verboten. (Malik b. Anas, Muwatta, s.277 (Dschihad ,21,3/9): al-Waqidi, Maghazi, l,s.392; Ibn Hischam, Sira, III, s.287; al-Bukhari, Sahih, IV, s.21 (Dschihad 147,148); Abu Dawud, Sunan, III, s.121 (Dschihad, 121, 2668,2672). Abu Dudschana soll während der Schlacht von Uhud zwei mekkanische Frauen, Hind bint Utba und Amra bint al-Haris vergeben haben. Vgl. al-Waqidi, Maghazi, l,s.259; Ibn Hischam, Sira, III, .73. )


[...]

Vom Osten der arabischen Halbinsel, nahe dem Bahrain, kam eine gewisse Kayla bint Mahrama vom Stamm der Tamim zum Propheten mit der Bitte und dem Hilfegesuch, das Unrecht welches sie traf, zu bekämpfen. Der Prophet möge ihre Töchter vom Bruder ihres verstorbenen Mannes befreien, die nach dem Tod ihres Vaters entführt wurden. Daraufhin schrieb der Prophet einen amtlichen Brief, wonach Kayla und ihren Töchtern kein Unrecht mehr geschehen darf, die Töchter nicht zu einer Ehe gezwungen werden dürfen und jeder Gläubige ihnen dabei helfen soll. (Ibn Sa'd, Tabaqat, l, 317-320, VIII, s.312; Ibn Abdirabbih, Iqd, l.s.355; Ibn Hadschar, Isaba, IV, s.381, Hamidullah, Wasaiq, No.142)


[...]

Die Frauen erlangten zu dieser Zeit (im Gegensatz zur vorislamischen Zeit) eine eigene Persönlichkeit, womit sie sich selbst zu verteidigen wussten und die Fehler der Männer kritisierten. Ummu Salama (Ehefrau des Propheten) kann hier als Beispiel angeführt werden. Als ein Streit zwischen dem Propheten und seinen Ehefrauen entstand, mischten sich Abu Bakr und Umar ebenfalls ein und versuchten den Frauen Ratschläge zu geben. Daraufhin kritisierte Ummu Salama die Beiden, wonach auch sie nicht damit einverstanden wären, wenn irgendwer sich zwischen ihnen und ihren Frauen einmischen würde. Nach dieser Kritik sollen die Beiden nichts mehr gesagt haben. (Ibn Sa'd, Tabaqat, VIII, s.180). Überlieferungen zufolge wurden auch die Meinungen der Frauen eingeholt und respektiert. (Daraufhin kamen einige Beispiele.)

Der Prophet kümmerte sich gewissenhaft um die Frauen, die zu ihm kamen, lobte sie und informierte sich stets über ihr Wohlbefinden. (Ibn Qutayba, Akhbar, III, s.15;al-Baladhuri, Ansab, l,s.98; Ibn al-Asir, Usd, VII, s.47)

Manchmal soll er sein Gewand auf den Boden gelegt haben, damit sie sich (nicht auf die Erde, sondern) darauf setzen konnten. (Ibn Schabba, Tarikh, II, s.421; al-Halabi, Insan, l,s.34)

Wenn er seine Ehefrauen besuchte, grüßte und fragte er einzeln nach ihrem Wohlbefinden. (Muslim, Sahih, II, s.1046 (Nikah, 14/87)


[...]

Das gleiche galt auch für alle anderen Frauen: Er grüßte sie (221), fragte sie nach ihrem Wohlergehen und hörte sich ihr Anliegen an (222). So wird auch berichtet, dass er einer Gruppe von Frauen mit der Hand zuwinkte, als sie sich in der Moschee in Medina aufhielten. (223) (At-Tirmidhi, Sunan, V, s.58 [Isti'zan,9)]

Es wird weiterhin berichtet, der Prophet habe sich um die gesundheitlich kranken Frauen gekümmert, sie zu Hause besucht und ihnen eine gute Besserung gewünscht. Ummu al-A'la berichtet, dass der Prophet sie besucht habe, als sie krank wurde und dabei gesagt haben soll, so wie das Feuer den Dreck von Gold und Silber entfernt, so reinigt die Krankheit den Menschen von seinen Sünden. (224)

Der Prophet besuchte die schwerkranke Ummu Sapib und fragte nach ihrer Erkrankung. Die Frau antwortete daraufhin: "Fieber, Möge es Gott verfluchen". Der Prophet empfahl ihr, nicht so zu reden, da die Krankheit die Sünden reinige. (225)

Nach dem Hamra al-Asad-Feldzug schickte der Prophet Abdullah b. Ka'b al-Mazini zu Ummu Umara, die in der Schlacht von Uhud verletzt wurde. Als die Kunde kam, dass es ihr gut gehe, freute sich der Prophet. (226)


[...]

221 - Abu Dawud, Sunan, V, s.383 (Adab 148/5204); Ibn Qutayba, Akhbar, l;s.265; an-Nasai, Fada'il, s.86; Ibn Qayyim, Zad, II, s.411.

222 - Ibn Abdirabbih, Iqd, II, s.186

223 - At-Tirmidhi, Sunan, V, s.58 (Isti'zan,9). Diese für die heutige (zumeist nicht-muslimische) Gesellschaft normale Angelegenheit des Grüßens war in der Geschichte (zum Teil auch heute) den Frauen gegenüber nicht immer selbstverständlich. Das Grüßen und die weiteren Themen, wie das gemeinsame Essen, das Besuchen der weiblichen Kranken etc. sollten unter Berücksichtigung solcher Hintergründe gelesen werden. Auf diese den Handlungen des Propheten widersprüchlichen Handlungen möchte der Autor mit den oben erwähnten Überlieferungen hinweisen. (Anm. des Übers.).

224 - Abu Dawud, Sunan, IV, s.471 (Dschana'iz, 3/3092); Ibn Abdilbarr, Isti'ab, IV, s. 452; Ibn al-Asir, Usd, VII, s.370.

225 - Ibn Sa'd, Tabaqat, VIII, s.308; Muslim, Sahih, IV, s.1993 (Birr, 14/54); Ibn al-Asir Usd, VII, s.219, 394.

226 - Al-Waqidi, Maghazi, l, s.270; Ibn Sa'd, Tabaqat, VIII, s.413.

Aus den Quellenangaben lässt sich feststellen, dass der Prophet niemanden in der Gesellschaft vernachlässigte, egal welchen Status der oder die Erkrankte hatte, er besuchte sie alle. So wird auch berichtet, dass der Prophet eine dunkelhäutige Frau besuchte, nachdem sie krank wurde und wollte über ihr Wohlergehen stets informiert sein, falls sie ihrer Krankheit erliegt. Diese Frau, die auch die Moschee von Medina reinigte, starb in einer Nacht. Da sie in der Nacht starb, wollte man den Propheten nicht stören und man begrub sie (ohne dem Propheten etwas zu sagen) in derselben Nacht. Als der Prophet dies erfuhr, wurde er sehr traurig, ging zu ihrem Grab und wiederholte das Grabesgebet für sie. (Malik b. Anas, Muwatta, s.157 (Dschana'iz 16, 5/15); al-Bukhari, Sahih, l, s.118 (Salah 72); Muslim, Sahih, l, s.659 (Dschana'iz,71); Ibn al-Asir, Usd, VII, s.435.)


Dazu: Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Eine schwarze Frau (oder ein junger Mann) hatte gewöhnlich das Fegen der Moschee für sich zur Aufgabe gemacht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, vermisste sie einmal und fragte nach ihr. Sie sagten: Sie ist gestorben. Er entgegnete: Warum habt ihr mich nicht davon benachrichtigt? Es erschien, daß sie sie verächtlich zu machen versuchten. Der Prophet aber sagte: Zeigt mir ihr Grab! Als sie es ihm zeigten, verrichtete er für sie das Totengebet und sagte: Diese Gräber sind ja ihren Bewohnern voll Dunkelheit. Allah, Der Allmächtige und Erhabene, beleuchtet sie ihnen wegen meines Gebets für sie. [Sahih Muslim Nr. 1588 (im arabischen)]


Passend zum Thema der Spruch eines Gelehrten, Sheikh Ahmad Musa Jibril: "Women are the backbone of this Ummah." - "Frauen sind das Rückgrat dieser Umma."

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