30.07.2016

Niqab/Burqa



Hahaha.

Ich muss genervt mit den Augen rollen, wenn ich TV-Experimente sehe, in denen sich Frauen zum Spaß einen Gesichtsschleier aufsetzen um zu schauen, "wie das so ist". (Das ist so unlogisch. Es ist so, als würde man als Nichtmuslim mitfasten - dann hungert man nur.)

Wenn eine Frau den Gesichtsschleier schrecklich findet, ändert es nichts daran, dass viele Frauen ihn lieben. Mir ist bewusst, dass es etwas heuchlerisch ist, die Selbstbestimmung beim Thema Niqab zu betonen, da ich gegen eine exzessive Glorifizierung von ihr bin. Aber da dieser Artikel versucht, zu erklären, dass es viele unterschiedliche Arten von Menschen gibt, werde ich das einfach ausblenden.

Ich möchte mich jetzt mal eben dem Thema "Burkaverbot" widmen. "Burkaverbot", weil genau dieser Begriff immer benutzt wird. Es heißt aber Niqab. Naja, egal. Man will mal wieder etwas verbieten, wovon man nichts weiß.

Ein Burka/Niqab-Verbot bei so wenigen Frauen, die es tragen, wäre nichts weiter als eine provokante Machtdemonstration.

Kauft euch dieses Buch, um zu lesen, wie Frauen, die den Gesichtsschleier gerne tragen, über diese Diskussion denken! derperfekteislam.de - Buchempfehlung: "Uns hat keiner gefragt - Geschichten über Kopftuch, Schleier und Zwang"

Noch ein Link: qalam.ch - Eine Sternstunde europäischer Leitkultur?

Liebe Niqab/Burka-Gegner,

(Es sollen sich nur Menschen, die stark für Verbote kämpfen, angesprochen fühlen. Ängste und Unwohlsein kann ich verstehen!)

Erst mal: Es gibt so wenige Frauen mit Gesichtsschleier in Deutschland. Und ihr macht so ein Drama draus. Das finde ich irgendwie... unnötig. Und zweitens solltet ihr mal aufhören, Bilder zu erstellen, auf denen niqabtragende Frauen einen Kontrast zu einer schönen Deutschen im Dirndl vor einer grünen Hintergrundkulisse darstellen sollen - ihr habt die deutsche Kultur nicht alleine für euch gepachtet.

Was sind wohl die Beweggründe einer Frau, die sich bedeckt, sich laut eurer Ansicht "freiwillig unterdrückt"? Laut Alice Schwarzer sind es folgende: "Ihre Motive scheinen Angst vor Freiheit und Selbstverantwortung zu sein sowie weiblicher Masochismus– als Folge einer langen realen Unterdrückung und Demütigung des weiblichen Geschlechts." - zitiert von hier.

Hm. Was sage ich dazu? Ich sage: Ist nicht so, aber okay. Wenn ihr so denkt, von mir aus. Case closed. Das interessiert mich nicht. Was mich allerdings interessiert ist, dass ihr versucht, jene islamische Kleidung aufgrund dieser Argumente zu verbieten. Ihr redet von Menschenrechten. Ich frage mich, ist Selbstbestimmung nicht ein "Menschenrecht"? Was würde eine Feministin bloß antworten, stellte man ihr folgende Fragen:

  • "Sollte man Frauen ernst nehmen und ihnen zuhören, wenn sie etwas zu sagen haben?"
  • "Sollten Frauen frei über ihren Körper entscheiden können?"
  • "Sollten Frauen beleidigt und/oder bevormundet werden?"

Die Antworten könnt ihr euch denken. Nun ist es aber interessant, dass diese Regeln bei muslimischen Frauen nicht gelten - denn wenn die sich zum Islam bekennen, untergraben die ja eh von alleine all ihre Rechte, also selber Schuld. Nein, jetzt mal ernsthaft. In der ganzen Niqab-Debatte geht die Stimme der muslimischen Frau komplett unter. Aha - es ist egal, was Frauen wollen? Nicht gerade ein feministischer Gedanke. Ach, die armen Frauen wissen doch einfach nicht, was gut für sie ist!

Ein Niqab-Verbot würde den Frauen, die dazu gezwungen wurden, nicht helfen. Jemand, der seine Frau zum Niqab zwingt, würde ihr daraufhin garantiert verbieten, das Haus überhaupt zu verlassen. Stellt euch eine unterdrückte Frau vor - das einzige, was ihr Freude macht, ist es, sich draußen aufzuhalten, da sie sich daheim durch ihren Ehemann unwohl fühlt. Nun ist diese Freude komplett weg, da wird sie dann garantiert nicht jubeln: "Endlich frei! DANKE, white saviours!!!"

Außerdem weiß doch jeder, dass es bereits ein Gesetz gegen Zwang gibt, das Gesetz gegen Nötigung (§240 StGB). Will man das "Opfer" kriminalisieren?

Es ist ohnehin eher der Fall, dass die Familie oder der Ehemann dagegen ist - sogar versucht, ihr den Niqab zu verbieten. Generell ist die "Zwang"-Schiene lächerlich - es tragen in den einzelnen europäischen Ländern relativ wenig Frauen den Gesichtsschleier - und von diesen haben schon so viele durch Statements bewiesen, dass sie es aus freien Stücken tun.

Auch wäre es unlogisch, den Niqab der Integration willen zu verbieten. Dann geht einfach keine Frau mehr aus dem Haus, denn sie würden sich nackt vorkommen und sich sehr unwohl dabei fühlen, das Haus ohne Gesichtsschleier zu verlassen. Super Integration!

Man sollte lieber mal MIT den Muslimas reden, anstatt auf bevormundende Weise ÜBER sie. Aber man nimmt sie ja ohnehin nicht ernst, spottet über sie.

You only see what I choose you to see. Es gibt keinen Unterschied zwischen jemandem, der mich zwingt, mich zu verschleiern, und jemandem, der mich zwingt, mich zu entschleiern.

Es gibt alle Arten von Menschen. Manch einer tut Dinge, da kann ich mir auch nicht vorstellen, wie das jemand freiwillig will (Prostitution, sich die Zunge entzwei teilen lassen, beim Geschlechtsverkehr mit Fäkalien beschmiert/beleidigt/verprügelt/mit Messern aufgeschlitzt werden wollen, usw - ehm, Glückwunsch...?!). All diese Leute behaupten, das freiwillig zu tun. Und ich glaube ihnen. Ich kann sie ruhig hassen, aber ich kann nicht behaupten, sie würden das nicht freiwillig tun, denn das wäre gelogen.

Zurück zum Niqab. Der Gesichtsschleier gehört zum Islam - egal, ob Pflicht oder nicht. Ob es Pflicht ist, darüber gibt es Meinungsverschiedenheiten. Die Meinung, dass er Pflicht ist, ist zumindest auf jeden Fall legitim und auf keinen Fall "radikal". Und es gibt Konsens darüber, dass er erwünscht ist. Selbst, wenn das nicht der Fall wäre: Sobald eine Muslima der Ansicht ist, dass der Niqab zum Islam gehört, fällt das in das Recht auf Glaubensfreiheit, die ein Teil des Grundgesetzes ist, das ihr immer so gerne verteidigt. Das Recht auf freie Religionsausübung muss gewährleistet werden.
Wie wird man Ängste los? Indem man mit den Ängsten konfrontiert wird. Durch ein Verbot also nicht wirklich.

Niemand hat laut deutschem Gesetz das Recht, das Gesicht einer anderen Person zu sehen. Wir haben hier also auch nicht den Fall eines Gesetzes, das einem anderen Gesetz widerspricht - und das man deshalb relativieren kann.

Auch wenn jemand eine riesige Sonnenbrille trägt, kann man das Gesicht einer Person nicht sehen.

Keines der "Argumente" für ein Verbot hat eine rechtliche Grundlage. Selbst wenn alle Frauen einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, ändert es absolut nichts am Grundgesetz.

Ich kann verstehen, wenn sich jemand unwohl fühlt, wenn man das Gesicht einer Person nicht sehen kann, denn unterbewusst wird man an Bankräuber oder ähnliches erinnert. Ich würde niemals jemanden dafür verurteilen, wenn er keinen Hass in sich trägt. Hier geht es eher um die juristische Sichtweise.


Ja, viele Muslimas lieben den Niqab! Zum Lesen:


Blogs von Schwestern mit Niqab:
Videos von Muslimas, die freiwillig den Gesichtsschleier tragen:

Deutsch - einfach anklicken, dann wird es größer:




Nora Illi liebt ihren Gesichtsschleier: KLICK und KLICK




Englisch:












Mehr Videos von Muslimas, die freiwillig und gerne den Gesichtsschleier tragen:




Jüdische Frauen und Männer in Israel und andere Nichtmuslime:



  • Muslimischer Mann: "Unsere Frauen werden nicht unterdrückt!"
  • Leute: "Lügner!"
  • Muslimische Frau, als Muslima geboren: "Wir werden nicht unterdrückt!"
  • Leute: "Gehirnwäsche. Seit der Kindheit wurde ihr das eingetrichtert. Indoktrination." / "Die werden von den Eltern gezwungen, das so zu sagen."
  • Muslimische Frau, die konvertierte und keine muslimische Familie hat: "Wir werden nicht unterdrückt!"
  • Leute: "Ehm... Also...!" *nervöses Schwitzen* (Verdammt, jetzt muss ich zugeben, dass ich Muslime hasse...!)

Es ist wie bei Terroranschlägen:

Das tolle an geschlossenem Weltbild ist das man dadurch immun auf die Faktenlage ist. Wenn es heisst “der Täter ist Deutscher” dann sagt man sich “bestimmt eingebürgert”. Wenn er als “Alexander K.” identifiziert wird dann ist er “bestimmt ein Konvertit”. Wenn er eine Glatze hätte, dann wäre er “ein gut getarnter linker Autonomer, um den Nazis die Schuld in die Schuhe zu schieben”. dazu fällt mir nur ein: “Ich habe meine Vorurteile, verwirrt mich nicht mit der Wahrheit” ;) - Ein Kommentar von hier: KLICK

Und Muslimas verwandeln sich durch den Niqab in ein "entpersonifiziertes Nichts?" Dazu ist zu sagen: Die Straße ist uns eher unwichtig. Daheim wird sich aufgestylt! Und da gibt es vielseitige, lässige, rockige, romantische oder extravagante Outfits. Ich finde das so toll.

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